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Alles auf Anfang

Nach einer intensiven, lehrreichen und spannenden Zeit bei der NZZ widme ich mich meinem Lieblingsthema, welches mir in den letzten Jahren etwas gefehlt hat: Digitale Demokratie.

Social Media und Journalismus – vor drei Jahren waren wohl beide füreinander Neuland. Einerseits zwar füreinander bestimmt – Social Media leben von interessanten Inhalten, die Medien wiederum brauchen neue Distributionskanäle – andererseits waren sie sich doch fremd. Man sprach von einer Qualitätserosion der Medienwelt, und die Medien hatten die richtige Sprache für ihre Inhalte noch nicht richtig gefunden.


Altes Kapitel

In diesem Zeitraum hat sich vieles geändert. Die Plattformbetreiber diktieren immer mehr die Spielregeln des Digitaljournalismus und die Medienhäuser haben eine neue Klick-Goldgrube entdeckt. Mittlerweile gibt es sogar Medienanbieter, die sich gänzlich nur auf das Facebook-Publikum spezialisieren. Und einige bieten nur noch (Bewegtbild-)Formate eigens für Social Media an.

Ich habe diese Trends hautnah miterleben dürfen. Der Bedeutungszuwachs von Facebook & Co für Journalisten ist enorm. Denn die sozialen Medien sind nicht mehr nur einfach Dialogkanal und Linkschleuder, sie bieten einen Fundus an Aufnahmen, Augenzeugenberichten und Zitaten. Sie sind zu neuen Arenen der Debatten geworden.

Der Digitaljournalismus ist ein Stück weit disruptiert von den sozialen Medien. Und es zeigt sich, dass der Dialog mit Fans und Followern (für mich immer mehr noch der beste “conversational journalism”) – das Entgegnen, das Verdanken, das Falsifizieren von Falschaussagen, das Wertschätzen, das Zurechtweisen – immer mehr zur journalistischen Pflicht wird. Weil dies u.a. in die Glaubwürdigkeit einer Medienmarke einzahlt.

Neues Kapitel

Ich durfte diese Entwicklung beobachten und mitgestalten. Es war ein spannendes Kapitel für mich. In keinem anderem Medienhaus der Schweiz mit einer derart grossen Geschichte hätte ich diese Freiheiten, Neugier und Experimentiermöglichkeiten für alle meine wilden Ideen gehabt. Nun möchte ich das Disruptionspotenzal der Digitalisierung für die Politik erforschen und verlasse dafür die NZZ.

Ich kehre somit wieder dorthin zurück, wo meine Reise in die digitale Welt begann vor 7 Jahren (bei politnetz.ch). Und wo mich Themen wie Social Media und Politik, digitale Demokratie, politische Partizipation im Netz, eGovernment, Civic Tech und Gov Tech beschäftigten… Ich habe das Glück für den NZZ Libro-Verlag eine Bestandesaufnahme und ein paar Zukunftsprognosen zu diesem Themenkreis aufarbeiten zu dürfen.

Für mein Buchprojekt (Erscheinungsdatum Herbst 2017) konnte ich meine Wunsch-Experten als Co-Autoren gewinnen (die Medienjournalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig, Politik-Berater Martin Fuchs aka @Wahlbeobachter, den Campaigner und Netzinnovator Daniel Graf, die Politikwissenschaftlerin und DeFacto-Redaktionsleitern Sarah Bütikofer zusammen mit Politikwissenschafter und Politan.ch-Betreiber Thomas Willi, Journalismuswissenschaftler und Buchautor Colin Porlezza, und die beiden Publizistikwissenschafter mit Asien-Expertise Adrian Rauchfleisch und Mike S. Schäfer.

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Mitte 2017 werde ich in einem neuartigen Gebilde mitwirken dürfen, das es in dieser Form in der Schweiz so noch nicht gab: Bei der FHS St. Gallen genauer beim Ostschweizer Zentrum für Gemeinden darf ich mich im Teilzeitpensum als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem einzigartigen Ausbildungshub und Labor für Demokratieinnovationen im Netz beteiligen. Politologische Expertise und Innovationen (Dienstleistungen für die “Kundengruppe” Polit-Akteure) sollen hier Hand in Hand gehen. Es ist diese Verschränkung von Startup-Denken, Hochschul-Tiefe und Think-Tank-Reflexionen, die ich immer gesucht habe. Und es war einmal mehr Twitter, welches mich mit klugen Vordenkern wie Reto Eugster und Sara Kurmann zusammengebracht hat.

Der Rest meiner freien Zeit werde ich für Schreibarbeiten (auch IT-Journalismus), Analysen, Referate, Workshops – sprich: Selbständigkeit- nutzen. Die entsprechende Website wird bald aufgeschaltet. Und ab und zu werdet ihr auch in der NZZ wieder etwas von mir lesen. 2017 wird eine neue Ära sein, aufregend und auch etwas riskant. Ich freue mich darauf.