Die vergessenen #XINGFails

Im Schatten des Schweizer #XINGfail-Shitstorms wurden noch weitere unbemerkte Preiserhöhungen vom deutschsprachigen Businessnetzwerk durchgesetzt und kommunikative Vergehen begangen, die zu bemängeln sind. Welches diese sind und wieso XING und LinkedIn zu Unrecht als soziale B2B-Netzwerke gelten, möchte in diesem Blogpost aufzeigen. 

Bei den Neuerungen von XING verliert man schnell mal den Überblick.  Die XING-Premiumpreiserhöhung war auf Blogs und in den Medien omnipräsent. Vergessen und unbemerkt im medialen Wirbel sind weitere Funktionen abgeschaltet, komplizierte Gruppen-Modi eingeführt und andere Angebotspreise erhöht worden.  Ein Klagelied können neben Premium-Mitgliedern nämlich auch Administratoren von XING-Gruppen und Unternehmensprofilen singen. So auch ich.

Auf 3 mühsame Neuerungen möchte ich hier genauer eingehen:

“Neue Gruppen”: XING-User sind auf den Goodwill von Gruppenadmins angewiesen

Schauen wir uns zum Beispiel die Transformation der XING-Gruppen in das “Neuen Gruppen“-Gewand an, die ein Administrator nur durch aktive Kontaktaufnahme beanspruchen kann.

D.h. um als aktives kommunikationsfreudiges XING-Mitglied die gestalterischen Vorzüge der “Neuen Gruppe” zu geniessen, ist man auf den Goodwill wacher XING-Administratoren angewiesen. Immerhin: Eine Gesamtmigration aller XING-Gruppen hat XING auf Anfrage meinerseits in Aussicht gestellt. 

Schleichend wurde auch zweitens ohne Getöse die bisherige “Unternehmensprofil-Palette” abgeschafft.  Neben dem Basisangebot hatte man bis letztes Jahr noch die Möglichkeit ein erschwingliches Standard-Profil zu erwerben. Dieses bot dem Unternehmen die Assets, kununu-Arbeitgeberbewertungen einzubetten und die jeweiligen Produkte und Dienstleistungen mit Videos und Pdfs optisch aufzuwerten. Diese hübsch aufgemachte Übersichtsseite machten sich inbesondere einige Sales Manager meines Unternehmens (damals bei der OFWI) bei der Company-Präsentation im Netz zunutze.

Dass ich als Administratorin ein veraltetes nicht aktives Unternehmensprofil betreibe, habe ich dann irgendwann mal selber zufällig entdeckt als ich weitere Pdfs hinzufügen wollte (was aber nicht möglich war, da das alte Profil ja offiziell nicht mehr angeboten wurde). Nun bleibt den Administratoren die Möglichkeit, die wenigen Optionen des herabgestuften “kargen” Basis-Profils (gratis) zu nutzen oder auf das horrend teure “Employer Branding” (395 Euro monatlich) upzugraden. Zweiteres bietet umfassende Vernetzungsmöglichkeiten im Recruitingbereich, was aber nicht unbedingt zum Tagesgeschäft einer KMU gehört. (Ausserdem hat XING bis heute noch keine brauchbare Handhabe vermittelt, wie man gezielt die Followerzahl bzw. Abonnentenzahl eines Unternehmensprofils erhöhen könnte. Aber dies nur als Randbemerkung).

Klickpreise pro Stellenanzeige lautlos erhöht

Drittens wurden die Preise nicht nur bei den Premium-Mitgliedschaften erhöht. Betroffen sind auch die Klickpreise bei geschalteten Stellenanzeigen des Formats “Text”.  Bis vor Kurzem  kostete der Klickpreis noch 0.85 Euro. Die von uns (damals bei der OFWI) geschaltete Stellenanzeige wurde bereits nach wenigen Wochen ohne Benachrichtigung mit dem neuen Preis abgerechnet, 1.05 Euro pro Klick. Der neue Klickpreis beträgt also umgerechnet nun 1. 25 Franken. Welche Summe sich da zusammenläppert nach einigen Klicks, kann man sich denken…

Die XING-Preise noch im 6. Februar 2014

Die XING-Preise noch am 6. Februar 2014

Die Abrechnung Ende Februar(28.2.2014). Der Klickpreis betrug über einen Euro.

Die Abrechnung Ende Februar (28.2.2014). Der Klickpreis betrug über einen Euro.

 

Der jetzige XING-Preis bei den Stellenanzeigen.

Der jetzige XING-Preis bei den Stellenanzeigen.

LinkedIn ist usabilitytechnisch eine Katastrophe

Alle diese schlecht kommunizierten Neuerungen XING anzulasten und aus Trotz das viel bessere LinkedIn hinaufzujubeln, ist aber aber ebenfalls nicht angebracht. Denn LinkedIn ist zwar internationaler aufgestellt, enthält mit Pulse eine “vitale” Nachrichten-App mit einflussreichen Opinion Leaders und registriert viel mehr Aktivitäten in den Themengruppen, ist usability-technisch jedoch eine einzige Katastrophe. Und in Sachen Unternehmenskommunikation genauso intransparent wie der Konkurrent aus dem deutschsprachigen DACH-Raum.

So wurde auch hier letzte Woche der “Produkt und Dienstleistung”-Bereich des Unternehmensprofils abgeschaltet und die Administratoren “genötigt”, eine Fokusseite für das jeweilige Produkt aufzubauen. Dass jene Fokusseiten für Submarken nur Sinn bei grossen Brands machen (zum Beispiel ein “M-Budget” für Migros), damit sie eine genauso grosse Gefolgschaft aufbauen kann wie bei der Stammseite (also das Unternehmensprofil auf LinkedIn) ist evident. Diese kleine Änderung erfuhr man via Emailbenachrichtigung 2 Wochen vor dem entscheidenden Release und findet man irgendwo versteckt auf der Hilfeseite von LinkedIn.

Eine detaillierte Abrechnung der Kreditkartenbelastung für geschaltete Sponsored Posts und LinkedIn-Ads sucht man als Admin vergeblich. Bis heute konnte ich unserer Buchhaltung lediglich einen Screenshot meines Analysedashboards des Paid Content vorweisen um die Transaktionen auf LinkedIn nachvollziehen können.

Fazit: Für B2B-Marketer sind Twitter und Google + besser geeignet

XING und LinkedIn werden oft als DIE sozialen B2B-Plattformen beschworen. Zu Unrecht, wie ich finde. Die grössten Bewegungen finden im Recruiting und Employer Branding-Bereich statt. In jene Geschäftsfelder wurde von Seiten XING und LinkedIn auch kräftig investiert in den letzten Jahren.

Die Zahl der Aktivitäten und Interaktionen in den Themen-Gruppen sind gefühlt sehr niedrig (XING präsentiert lediglich Umsatz und Mitgliederzahlen) , die bisher gelesenen Beiträge von Usern werberisch, langweilig, “sales-driven” und einseitig.  Für B2B-Marketer insbesondere im KMU-Bereich sind Twitter und Google+ einiges geeigneter. Dies ist einfach mein subjektiver Eindruck nach 3 Jahren Community Management im Business-to-Business-Sektor.

Update 24. April 2014: Dank dem Hinweis von Stephan im Kommentarfeld gibt es doch einen (einfacheren) Weg, wie man zu den LinkedIn-Rechnungen gelangt: http://linkedinsiders.wordpress.com/2012/09/02/linkedin-rechnungen-richtig-steuerlich-absetzen/ 

 

 

 

10 Gedanken zu „Die vergessenen #XINGFails“

  1. Also ich finde es von Xing absolut daneben, dass man hier KEINE Übergangszeit geschweige denn eine richtige Kommunikation aufgebaut hat. Und von einem Business Netzwerk darf ich das doch wohl verlangen oder? Dazu kommt, dass ich meine Aktivitäten auf Xing komplett zurück geschraubt habe. Auch Premium bin ich definitiv nicht mehr. Das ist mir viel zu teuer.

    LinkedIn war mir persönlich noch nie sympathisch. Deswegen habe ich mich damit auch nicht beschäftigt. Da ich jetzt aber weiss, dass dieses Businessnetzwerk ebenfalls umstrukturiert hat, werde ich da wohl auch nur noch meine Links posten und es nicht mehr wirklich pflegen.

    Ich bin ein absolutes Google-Kind. Ich mag insbesondere Google+ auch deswegen, weil ich dort für Reichweite nicht bezahlen muss, wie bei Facebook. Jaja, EdgeRank und Co lässt grüssen. Aber auch Facebook hat sich bei mir definitiv ins Abseits gestellt. Ich kann halt nicht Abstand davon halten, weil auch dort viele Nutzer sind, die meine Dienstleistungen in Anspruch nehmen könnten.

    Twitter war mir bisher immer zu schnell. Ich lerne jedoch die Vorzüge des Mikrobloggings immer mehr zu schätzen. Dadurch, dass ich im bereich Social Media ebenfalls tätig bin, muss ich natürlich über die wichtigsten Netzwerke Bescheid wissen :) Ich danke jedenfalls für den Beitrag!

  2. Vielen Dank für den gelungenen Artikel.

    Die (Preis-) Politik von Xing ist definitiv von einem anderen Stern. Ich hatte das schon früher einmal erleben müssen und erst nach mühsamen Diskussionen war ein Entgegenkommen möglich. Von einem Unternehmen, welches notabene das Social Web mitdesignt, würde man eine andere Vorgehensweise vermuten.

    Doch schon früher hat man gesagt, es sei der Glaser der die meisten kaputten Scheiben am Gebäude hat.

    Ihr Schlusswort finde ich ganz treffend. Auch ich habe im Blog empfohlen. Google+ bringt für mich im Moment auch der grösste Mehrwert (Besucherstrom und Popularität)

    Mit Twitter bin ich noch ein wenig Zurückhaltend. Nicht weil ich es nicht im B2B sehe, sondern weil die Reichweite, zumindest in der Schweiz, für viele Unternehmen noch nicht die erforderliche Grösse aufweist.

  3. Wie bereits schon getwittert hatte ich meinen persönlichen XING-Fail bereits vor einiger Zeit erlebt und mich darum schon länger aus der Premium-Mitgliedschaft verabschiedet. XING ist für mich eigentlich nur noch eine Quelle, um meine Kontakte auf dem Smartphone aktuell zu halten.

    Das neue Gruppen-Layout wird nun auch das passive Mitlesen derselben via RSS-Feed verunmöglichen – es gibt schlicht keine Feeds mehr. Noch ein Grund mehr für mich, XING nicht mehr aktiv zu bewirtschaften.

    Und danke für Dein Fazit, kann ich nur unterstützen!

  4. Hey, ich danke euch allen für die Kommentare (und sorry fürs teilweise späte Aufschalten, ich war gerade unterwegs ;-)).

    Gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht…

  5. das geht runter wie Öl im Sinne von “Ich dachte schon, ich bin der einzige der das so sieht” aber im Umkehrschluss ist das natürlich äusserst zum k****, weil man mit den Übeln leben und sich abplagen muss. Ganz krass finde ich, dass ich meine Ad-Kampagnen über den Linkedin “Kundenservice” (der grösste Witz überhaupt) nicht abfragen kann, sondern ich muss Screenshots der Transaktionen schicken! ich muss eine Geschäftsbeziehung nachweisen?! Ich finde es gelinde gesagt eine Sauerei, dass ich als Kunde so mies behandelt werde, der nicht nur postet sondern auch Geld einbringt! Friss oder stirb, was? Danke für den Beitrag!

    1. Danke Dir für den Kommentar, Alexander. Genau fürs private Netzwerken sind diese Plattformen ja ganz nett und nützlich. Wer aber beruflich mit LinkedIn arbeiten muss, kann echt an den Rand der Verzweiflung kommen. Und LinkedIn ist in Sachen Kommunikation und Benutzerführung unmöglich…

  6. Danke Adrienne

    für die tolle Analyse über den Tellerand von Xingfail hinaus, der ich voll zustimmen kann.

    Urs Gattiker und ich sind im persönlichen Dialog der sog. B2B Netzwerke zu einem ähnlichem Schluss gelangt. Linkedin ist nicht wirklich eine bessere Alternative und langfristig wird evt. Google+ das Rennen im B2B Bereich machen.

    Interessant (oder sollte ich eher sagen: komisch?!) dabei ist, dass Xing selbst im Xing-eigenen Social Media Report 2013 ebenfalls Google+ empfiehlt: http://www.amiando.com/fileadmin/Data/Info-Center/Reports/Social_Media_Report/EN_SMER_XING_EVENTS.pdf

    Übrigens beziehen sich die versteckten, intransparenten oder nicht kommunzierten Preisanpassungen auch auf Xing Events (ex amiando). Dort waren früher Events mit kostenfreien Tickets auch ohne Gebühren. Neuerdings gibts es das Feature “kostenfrei” nicht mehr. Ich erlebe das gerade selbst: Ein regelmässiger kostenloser Event von mir (bislang auch ohne amiando Gebühren), wurde mir beim letzten Event (den ich per “Event wiederholen” Funktion angelegt hatte) nun plötzlich mit Gebühren berechnet.

    Es kommt dabei sogar noch besser bzw. verwirrender: Xing Events ist nämlich seit Neustem eigentlich nur noch Xing (vorher waren das 2 Firmen, nun gelten nur die XING AGBs für beides). Bei Xing selbst steht aber unter dem Reiter “Meine Veranstaltungen” , dass Events mit kostenfreien Ticktes kostenlos sind.

    1. Lieber Mark! Vielen Dank und entschuldige die späte Freigabe (Ich habe grad gegen Spam zu kämpfen. Zum Glück habe ich Deinen Kommentar gerade noch gesehen…)

      Ich sehe, Du hast #XINGFail Nr. 5 erlebt. Ich benutzte XING noch nie für Eventpromotion, aber nun weiss ich Bescheid.

      Sie versuchen mit allen Mitteln Einnahmen zu generieren. Ich bin bereit für Mehrwert zu bezahlen, aber nicht in dieser Grössenordnung. Und wenn sich mir dieser Mehrwert nicht erschliesst.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>