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Soweit entfernt von den Protagonisten wie mein Sitzplatz im Publikum, so sehr wich die Debatte vom Kernthema des Abends ab.

Kei Ahnig vo BOT-anik

Wer vorgestern am #comsum16-Abend – organisiert vom Zürcher Presseverein (ZPV) und der Zürcher PR-Gesellschaft (ZPRG)- teilgenommen hat, wähnte sich im Jahr 2010. Damals sprach man in der Schweiz noch begeistert von diesem neuen Twitter mit dem man sich die Zeit vertreiben kann und  vom “Distributionskanal Social Media”.  

Hier ein Vorschlag, worüber man beim Leitthema “Aufmüpfige und kreative Geister” stattdessen hätte reden sollen.

Meine Herrschaften, lieber Herr Lipp: Das waren eine ermüdende restrospektive Debatte, die sich PR und Journalismus heute gar nicht mehr leisten können. Heute sollte man nicht darüber diskutieren, wie man neben Social Media noch Zeit für die eigentliche Kernaufgabe wie Schreiben hat und was man mit diesen Neuen Medien (die bereits schon alt sind) noch Verrücktes anstellen kann.

Im Jahr 2016 müsste es darum gehen, herauszufinden, wie die disruptiven Medienoffensiven von Technologiefirmen im Silicon Valley und Roboterisierung uns morgen nicht überflüssig machen (weil geschäftsrelevant). Und welche Fertigkeiten man in der Ausbildung zur angehenden Journalistin und PR-Fachperson stattdessen lernen und aneignen soll.

Soweit entfernt von den Protagonisten wie mein Sitzplatz im Publikum, so sehr wich die Debatte vom Kernthema des Abends ab.

Soweit entfernt von den Protagonisten wie mein Sitzplatz im Publikum war, so sehr wich die Debatte vom Kernthema des Abends ab.

“Kei Ahnig vo Botanik” resümierte mein Begleiter Dani verärgert nach dem Publikumsapplaus  das Podium. Ich finde diese Redewendung – leicht adaptiert- bezeichnend für den vorgestrigen Abend in der ETH. Von Themen wie Bots war nämlich gar nicht die Rede.

Wie wir Bits, Pixel, Canvas,  Native  Videos gewinnbringend und kreativ für Kommunikation, Marketing und Medieninhalte nutzen – wie es viele junge Journalisten und PR-Fachleute längst tun, aber längst nicht alle- wären die Fragen gewesen, die ich am Dienstagabend gerne verhandelt gehört hätte.

Auch ein Votum: Die Leute sind technologiemüde und sehnen sich zurück ins technologiefreie Zeitalter...Wirklich?

Das Votum eines Podiumsteilnehmers: Die Leute sind technologiemüde und sehnen sich zurück ins technologiefreie Zeitalter…Wirklich?

 Frank A. Meyer war wohl zu abstrakt

Gefragt und vor allem hinterfragt wurde wenig. Der Imperativ von Frank A. Meyer im einleitenden Referat (“Journalisten müssen wieder fragen lernen”) verhallte im Nichts. Es wurde lediglich nur festgestellt, ein bisschen Verständnis für die Vertreterin der jungen Generation geheuchelt und Mitgefühl für die angeblich unumstösslichen Hierarchien innerhalb von Redaktionen ausgesprochen.

Der Abend und die Performance der einzelnen Redner und Podiumsgäste wurde bereits schon zutreffend zusammengefasst (hier und hier) , deswegen skizziere ich kurz was meiner Ansicht die jungen Wilden  - die gar nicht jung sein müssen- auszeichnet.

Der Nachwuchs von Journalismus und PR vereint Stärken von Beidem

Im Journalismus und PR entstehen neue Berufsbilder.  Wie können wir von Einsteigern, die teilweise gar keine klassische Ausbildung absolviert und sich profiliert haben, lernen? Wie können wir ihnen Freiraum für Entfaltung geben und sie fördern? Vielleicht ist diese vielbeschworene Trennung von PR und Journalismus und Print vs. Online gerade beim Kompetenzprofil des Nachwuchses völlig obsolet.

Denn im Typus des neuen jungen aufmüpfigen Geists sind idealerweise Stärken von beiden publizistischen Berufsgattungen vereint: Dieser sollte einerseits die  Spiel- und Experimentierfreudigkeit und die Neugier von vielen jungen Marketeers, PR-Fachleuten und Bloggern für technologische Innovationen und Apps und andererseits die Analyseskills,  das Gespür für publizistische Themen und die Abenteuerlust für investigative Recherchen von Journalisten mitbringen.

Mit diesem Rucksack ist man meiner Meinung nach für die Herausforderungen der Digitalisierung nicht schlecht gerüstet.  Wer beim Alten verharrt wird, wird morgen weggespart, weil wegroboterisiert. So meine Hypothese, die gerne hinterfragt werden darf.

Blogger-Manifest: Bitte nur den kleinst gemeinsamen Nenner

Eigentlich wollte ich meinem nächsten Blogpost nach 3 Monaten Blogpause (shame on me) ein bisschen hinter die NZZ-Kulissen blicken und Bilanz ziehen. Doch dank der losgetretenen Diskussion über “gekaufte” Blogger und Journalisten wird es Zeit das Geschehene kurz Revue passieren zu lassen, Missverständnisse aufzuklären und nochmals den eigenen Standpunkt herauszukristallisieren. Dankbarer Stoff für einen neuen Blogpost. 

Den Kontext zur Auseinandersetzung mit dem Thema, die dank dem barcampCH möglich wurde, kennen die Meisten und brauche ich an dieser Stelle nicht mehr zu wiederholen. Wer das noch einmal rekapitulieren  möchte, kann das gerne hier, hier und hier tun.

Marken bringen sich ins öffentliche Netzgespräch

Vorweg: Unternehmen und Marken tun eigentlich das Richtige. Sie bringen sich ins Gespräch und nutzen die geballte Kommunikationskraft und – macht von neuen Meinungsbildnern im Web. Sie laden Personen mit viel Reichweite ein, so dass diese ihre Gedanken zu Produkten und Dienstleistungen frei äussern. Blogger und Influencer gelten zu Recht als neue wichtige PR-Kraft. Und genau diese neue Form von PR-Arbeit bedarf einiger Regeln, damit Unabhängigkeit gewahrt und der Instrumentalisierung  vorgebeugt wird.

Die von Kevin und mir ausgelöste Debatte zeigt, dass die bisherige Praxis auch von anderen Bloggern kritisch beobachtet wird.  Einige Kommentatoren wollten dabei weitergehen und mehr regulieren. Ich selber aber glaube  zum Beispiel nicht, dass ein Manifest die richtige Grundlage dafür ist, den Bloggern vorzuschreiben, was sie zu deklarieren haben und was nicht.

Kein Hashtag-Missbrauch bei Konsumenten

Mir persönlich geht es um PR-Events und -veranstaltungen. Womit ich mich schwer tue und ich denke, das habe ich in der Diskussion oft genug hervorgehoben, ist die Vermischung von Einladungen mit suggeriertem privatem und offensichtlichen kommerziellen Charakter.  Ich plädiere für eine klare Kommunikation der Eventform, des Absenders und für keine irreführenden Themendefinitionen (Hashtags). Hierbei nehme ich nicht Blogger in die Pflicht, sondern die Organisatoren. Sobald diese Punkte transparent sind, obliegt die Entscheidung den einflussreichen Influencern. Sie können tun und lassen, sich einladen und beschenken lassen, darüber schreiben oder nicht. Mir egal.

Klar sollten für Medienschaffende dieselben Richtlinien gelten. Ich bin aber nicht sicher, ob diese freiwillig geneigt sind, während einer Medienkonferenz den Namen des einladenen Brands permanent zu vertwittern, wenn sie im Anschluss einen Artikel abliefern müssen.

Mein Albtraum: Dank #zoacardinal14-Pflichttweets (fiktives Beispiels) gratis ans Openair

Doch zum Ausgleich (auf die bekannten Cases von Swisscom und Search.ch sind wir genug eingegangen) zwei Beispiele der Medienwelt, in der solche mir suspekten “Hashtags-Sponsorenhappenings” ebenfalls zelebriert werden. Da wäre beispielsweise der Versuch von Watson durch das Sponsoring von Live-Tickern den Nutzern mit #heinekenlive Sponsorentweets aufzuoktroyieren. Und auch der Web-Jugendsender Joiz kann dank Sponsoren ganze Musik-Formate realisieren (“mycokemusic”) . Dies ist natürlich insofern legitim, als dass solche Formate durch Sponsoren erst möglich sind und diese natürlich verdankt werden sollen. Doch frage ich mich, weshalb ausgerechnet die Nutzer in ihrem natürlich spontanen Kommunikationshabitus formalistisch (also vorgesetzt vom Sender) missbraucht werden müssen, wenn es doch allgemein um ein Fussballspiel geht. Denn konsumiere ich jetzt einfach den Match oder die Marke und wie kommuniziere ich das?

Mein Albtraum ist:  Wenn ich an einem Openair Zürich anstelle von #zoa14 noch #zoacardinal14 twittern müsste, um an billigere oder gar Gratis-Tickets zu gelangen. Und 4 Freundlichkeitspflichttweets zu anderen Sponsoren absetzen müsste.

Randnotiz: Auch hier scheinen Journalisten nicht vor Befangenheit gefeit zu sein, laut Reda El Arbi.

 

Ich wünsche mir dass wir am 24. September auf einen grünen Zweig kommen werden. Und das im Gegensatz zu einigen Medienschaffenden, die Blogger als gänzlich unrelevant erachten, wir alle auf gleicher Augenhöhe miteinander reden können. Ich glaube wir sollten uns dabei auf den kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner über alle Publizitätsgattungen hinweis einigen und kein ungelebtes Bürokratiemonster schaffen. Denn mit einem verbindlichen Konsens schaffen wir Akzeptanz für unser verabschiedetes Richtlinienwerk, dem sich hoffentlich per Unterzeichnung viele Publisher anschliessen werden.

 

 

 

 

Zu guter Letzt: Ein Brauch der Blogosphäre

Bevor ich neue Vorsätze für 2014 fasse, möchte ich noch paar Alte umsetzen.  Dank Marie-Christine Schindler weiss ich von solch interessanten Ritualen der Blogosphäre wie zum Beispiel der Blog-Parade und dem Blog-Stöckchen. Da ich dieses neulich von ihr auffangen durfte, schliesse ich wie in diesem Tweet versprochen mein Jahr mit diesem letzten Blogartikel ab.

Und ich bin so nett, einen Vorsatz für 10 weitere BloggerInnen bereits vorzuformulieren, indem ich  ihnen das Stöckchen gleich weiterreiche. Übers Mitmachen im nächsten Jahr würde ich mich freuen.

Dies waren also nun die Fragen von Marie-Christine an mich:

1. Welche fünf Keywords treffen auf dich zu?

Chaos, Prokrastination, impulsiv, Genuss, Politik

2. Wenn morgen das Internet abgestellt wird, dann bedeutet das für mich persönlich, …

… ein grosses Problem, da ich dann arbeitslos wäre. Die Konditionierung der letzten Jahre haben meinen Alltag ziemlich digitalisiert. Und ja mein Beruf definiert sich ja auch über das Internet (Social Media Kommunikation).

Ausserdem ertappe ich mich oft dabei, dass ich – wie ich neulich twitterte- in einem Printtext nach einem Wort suche und mir sehnlichst die Suchfunktion Ctrl+F herbeiwünsche…

Dies bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht selber schon bewusst öfters gewisse Zeitfenster offline setzte und dies nicht ausgiebig genossen habe. Meine Ferien im Ausland erlebe ich beispielsweise total internet-frei.

3. Dein Gegenüber rechnet dir vor, wie lange es noch bis zur Pensionierung dauert, damit es sich mit diesem Social-Media-Hype nicht mehr beschäftigen muss. Was sagst du?

Besser Du rechnest nach, wieviel Zeit Du mit der Ignoranz dieses Hypes verloren hast. Die sozialen Netzwerke werden irgendwann mal vorbeigehen, bzw. aufgehen in die alltägliche Kommunikationsstruktur, in der digital und analog mehr und mehr verwoben werden. Sich darauf einzulassen ist vielleicht eine Umstellung und erforderte eine andere Art der Verständigung, da man sich nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt. Aber am Ende lernt man so viele interessante Leute kennen, die man nicht zufällig an der nächsten Strassenecke getroffen hätte.

Update 28.12.2013 um 19:00: Social Media ist wie die direkte Begegnung zwischen zwei Menschen eine Frage der Haltung. Ist jemand offen für neue Personen, hört man ihnen zu und möchte einen Dialog auf gleicher Augenhöhe starten, so spielt es keine Rolle  durch welche Kanäle das geschieht. Ist also mein Gegenüber offen dafür im direkten Gespräch, so wäre es auch ein Leichtes für ihn dieses online fortzusetzen.

4. Wie bleibst du über das, was die Welt bewegt, auf dem Laufenden?

DIE Welt  oder das Weltgeschehen gibt es meiner Meinung nicht, sondern eher viele verschiedene disparate Themen-Öffentlichkeiten und für alle gibt es Fachblogs und Plattformen der digitalen Avantgarde und Meinungsführer. Ich versuche was Wirtschaft und Politik angeht, wenig News zu konsumieren, sondern eher die reflektierenden Geschichten zu lesen. Ich habe mir schon oft eine Newsdiät verordnet, auch wenn ich den Echtzeit-Charakter von News-Tickern und Live-Streams über alles liebe.

Ich lese mit Vorliebe gerne Spiegel Online, Zeit.de und auch den Tagi Online. Die meisten Titel lasse ich mir aber von meiner Twitter-Timeline servieren, beispielsweise durch den News-Män. Twitter ist für mich sowieso die personalisierte Zeitung, da Gleichgesinnte die von ihnen gelesenen Artikeln mit einer persönlichen Note anreichern. Erst dadurch wird der Artikel schmackhaft für mich.

Da mich auch Reflexionen rund um die Medienwelt interessieren, lese ich auch öfters mal die Medienwoche oder  den Blog Lousy Pennies.

Und dann gibt es noch einige amerikanische Blogs wie Politico und Tech President, in denen ich mich über politische Innovationen im Web und Insider-News in Washington informiere.

Was Entwicklungen in  Social Media und  allgemein in der IT-Wirtschaft angeht: Die “Klassiker” wie t3n, techCrunch, netzwertig.com, etc.

5. Welches ist das bisher beste Social Media Event, an dem du teilgenommen hast?

Der beste Event bis anhin war eigentlich “Data Storys” vom Centre of Storytelling letzten Herbst. Gerade weil Social Media nicht Hauptthema der Veranstaltung war, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Data Stories behandelt wurde. Das Thema wurde sehr vielseitig aus Marketing-, Journalismus-, Künstler- und Philosophie-Blickwinkeln betrachtet.

6. Wie findet ein Newbie Anschluss an die Schweizer Online-Szene?

Indem er seine Themen findet und einen Blog aufsetzt. Ich folge viele vielen unbekannten BloggerInnen, die aber vielversprechend schreiben und von denen man wahrscheinlich in Zukunft viel erwarten kann. Hinter Blogs stehe Persönlichkeiten, die subjektiv über ihre Meinungen und Ansichten schreiben. Gewinnt man bekannte Multiplikatoren als Blog-Abonnenten, erzielt man schnell eine grosse Reichweite.

Erst der Blog und dann die Social Media-Profile. Diese Reihenfolge würde ich empfehlen.

7. Welches sind deine drei Lieblings-Apps?

Flipboard, Twitter, Google Drive

8. Wir basteln uns ein Social-Media-Bullshit-Bingo. Welche fünf Begriffe dürfen auf keinen Fall fehlen?

Conversion-Rate, “Wir müssen jetzt auch Social Media”, Fav-en, Content is King…  Das sind jetzt so die spontanen Begriffe, für Weiteres müsste ich den SocialMedia-Sprech konsultieren.

Und nun ihr:

Nachdem ich nun meinen Beitrag “geleistet” habe, reiche ich das Blog-Stöckchen weiter an ein paar weitere ausgewählte BloggerInen, über die mich folgendes interessieren würde…

- Luzia Tschirky

- Roman Kappeler

- Alexander Sautter

- Olivia Kühni

- Nick Lüthi

- Andreas Kyriacou

- Carmen Epp

- Sofia Esteves

- Anna Jobin

- Thomas Gemperle

1. Hast Du den Offline-Day mitgemacht? Wenn Nein, weshalb nicht? Und wenn Ja, wie war es? 

2. Nenne bitte den Monat und das Jahr Deines allerersten Blogartikels und den Titel davon. 

3.  Welches App schaust Du morgens als Erstes an…?

4. Könntest Du Dir vorstellen eines Tages Dein Geld alleine im Netz zu verdienen?

5. In welchem Jahr, glaubst Du, wird der erste Schweizer Wahlkampf hauptsächlich “im Netz” gewonnen?

6. Ganz ehrlich: Hast Du irgendwas an Deinen digitalen Kommunikationsgepflogenheiten verändert, seit PRISM der NSA bekannt geworden ist (Mails-Verschlüsselung zum Beispiel)?

7. Bist Du auf “phubbing” reingefallen?

8. Was erklärst Du alteingesessenen kulturpessimistische Printjournalismus-Koriphäen wie Frank Schirrmacher die Chancen des Internets, wenn Du die Möglichkeit dazu hättest?

9. Du-zen oder Sie-zen im Blog? Was ist der Königsweg?

10. Ein attraktives neues Medienportal bietet Dir eine lukrative Redaktorenstelle an; Du müsstest lediglich hin und wieder ein paar Native Advertising-Texte von Unternehmen veredeln und redaktionell “anreichern”. Würdest Du annehmen?

11. Wie oft hast Du dieses Jahr “Breaking” getwittert?

Wenn ihr die Fragen beantwortet, könnt ihr euch 5-10 weitere fiese (oder eben nette) Fragen ausdenken und an Personen weiterreichen, von denen ihr schon immer mal zitiert werden wolltet…Aber keinen Zwang bitte.

Nochmals zum Prinzip, erklärt von Marie-Christine: ”Das Stöckchen besteht aus vorgegebenen Fragen und ohne Deadline. Jemand beantwortet diese Fragen in seinem Blog und wirft das Stöckchen am Ende an jemand anderen (oder an mehrere) weiter.”

In diesem Sinne: Ein blogreiches 2014 wünsche ich euch allen!