Schlagwort-Archiv: Social Media

In eigener Sache: Ich wechsle im Juni zur NZZ

Ab Mitte Juni darf ich zusammen mit Lorenz König im Social Media Board die digitalen Geschicke der NZZ-Präsenzen auf Social Media lenken und im “Community Management” an der Schnittstelle von Redaktion und Online-Community wirken.  Wer meinen beruflichen Weg kennt, dürfte über diesen nächsten “big step” kaum verwundert sein. Für mich ist damit auch ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. 

Der theoretische Ansatz der historischen Pfadabhängigkeit (ich liebe es erlernte politologische Termini  in der Schreibpraxis anwenden zu können) kann ich für einmal auch meine Berufsbiographie übertragen.

Der Reihe nach:

Nach einem kurzen Ausflug in der Bundesverwaltung kurz nach Abschluss meines Studiums durfte ich vor 5 Jahren die Geburtsstunde eines innovativen Web-Startups Politnetz.ch an vorderster Front miterleben. Damals (2009) existierte die Berufsbezeichnung “Community Management” als abstrakter Begriff. Die konkrete Ausgestaltung unserer Vision von e-Partizipation und digitalem politischen Diskurs oblag mir. Denn wie man von null auf viele neue User an eine Plattform bindet, dafür gab es damals wenig Anleitungen.

Viele Ideen probiert ich nach dem “Trial and Error”-Prinzip aus.  Gerade bei PolitikerInnen – einer eher internetunaffinen Zielgruppe- wirkte die Umsetzung eines ausgewogenes On&Offline-Massnahmenbündel am Effektivsten: Von Workshops, Online-Begleitung von Polit-Events, Email-Kampagnen, Social Media-Arbeit liessen wir nichts unversucht, um möglichst viele neue UserInnen für einen breiten politischen Online-Diskurs  auf unserer Plattformen zu gewinnen.

Bei der OFWI (heute CRIF Teledata) hatte ich die Möglichkeit mit verschiedenen Formen von Web-Content rund um unsere Wirtschaftsdaten zu experimentieren. Diese Aktivitäten befruchteten unsere Medienarbeit insbesondere im datenjournalistischen Bereich.

Meine Wechsel zu einem Medienhaus ist daher- aus meiner Warte- fast schon ein logische Konsequenz des eingeschlagenen Wegs.

Die bisherigen Erfahrungen aus journalistisch “artverwandten”  Tätigkeiten im Data Storytelling und mein Knowhow in Communitybuilding und Userengagement darf ich nun in meiner neuen Tätigkeit einsetzen.

Ich freue mich darauf den Digitalisierungsprozess einer grossen renommierten Medienmarke zu unterstützen und neue Formen von partizipativen Journalismus auszuprobieren. Und ich freue mich noch mehr auf neue Gesichter und vertraute Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich bereits schon in der Vergangenheit intensiv und erfolgreich zusammenarbeiten durfte.

Das neue Kapitel darf beginnen.

 

 

Zu guter Letzt: Ein Brauch der Blogosphäre

Bevor ich neue Vorsätze für 2014 fasse, möchte ich noch paar Alte umsetzen.  Dank Marie-Christine Schindler weiss ich von solch interessanten Ritualen der Blogosphäre wie zum Beispiel der Blog-Parade und dem Blog-Stöckchen. Da ich dieses neulich von ihr auffangen durfte, schliesse ich wie in diesem Tweet versprochen mein Jahr mit diesem letzten Blogartikel ab.

Und ich bin so nett, einen Vorsatz für 10 weitere BloggerInnen bereits vorzuformulieren, indem ich  ihnen das Stöckchen gleich weiterreiche. Übers Mitmachen im nächsten Jahr würde ich mich freuen.

Dies waren also nun die Fragen von Marie-Christine an mich:

1. Welche fünf Keywords treffen auf dich zu?

Chaos, Prokrastination, impulsiv, Genuss, Politik

2. Wenn morgen das Internet abgestellt wird, dann bedeutet das für mich persönlich, …

… ein grosses Problem, da ich dann arbeitslos wäre. Die Konditionierung der letzten Jahre haben meinen Alltag ziemlich digitalisiert. Und ja mein Beruf definiert sich ja auch über das Internet (Social Media Kommunikation).

Ausserdem ertappe ich mich oft dabei, dass ich – wie ich neulich twitterte- in einem Printtext nach einem Wort suche und mir sehnlichst die Suchfunktion Ctrl+F herbeiwünsche…

Dies bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht selber schon bewusst öfters gewisse Zeitfenster offline setzte und dies nicht ausgiebig genossen habe. Meine Ferien im Ausland erlebe ich beispielsweise total internet-frei.

3. Dein Gegenüber rechnet dir vor, wie lange es noch bis zur Pensionierung dauert, damit es sich mit diesem Social-Media-Hype nicht mehr beschäftigen muss. Was sagst du?

Besser Du rechnest nach, wieviel Zeit Du mit der Ignoranz dieses Hypes verloren hast. Die sozialen Netzwerke werden irgendwann mal vorbeigehen, bzw. aufgehen in die alltägliche Kommunikationsstruktur, in der digital und analog mehr und mehr verwoben werden. Sich darauf einzulassen ist vielleicht eine Umstellung und erforderte eine andere Art der Verständigung, da man sich nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt. Aber am Ende lernt man so viele interessante Leute kennen, die man nicht zufällig an der nächsten Strassenecke getroffen hätte.

Update 28.12.2013 um 19:00: Social Media ist wie die direkte Begegnung zwischen zwei Menschen eine Frage der Haltung. Ist jemand offen für neue Personen, hört man ihnen zu und möchte einen Dialog auf gleicher Augenhöhe starten, so spielt es keine Rolle  durch welche Kanäle das geschieht. Ist also mein Gegenüber offen dafür im direkten Gespräch, so wäre es auch ein Leichtes für ihn dieses online fortzusetzen.

4. Wie bleibst du über das, was die Welt bewegt, auf dem Laufenden?

DIE Welt  oder das Weltgeschehen gibt es meiner Meinung nicht, sondern eher viele verschiedene disparate Themen-Öffentlichkeiten und für alle gibt es Fachblogs und Plattformen der digitalen Avantgarde und Meinungsführer. Ich versuche was Wirtschaft und Politik angeht, wenig News zu konsumieren, sondern eher die reflektierenden Geschichten zu lesen. Ich habe mir schon oft eine Newsdiät verordnet, auch wenn ich den Echtzeit-Charakter von News-Tickern und Live-Streams über alles liebe.

Ich lese mit Vorliebe gerne Spiegel Online, Zeit.de und auch den Tagi Online. Die meisten Titel lasse ich mir aber von meiner Twitter-Timeline servieren, beispielsweise durch den News-Män. Twitter ist für mich sowieso die personalisierte Zeitung, da Gleichgesinnte die von ihnen gelesenen Artikeln mit einer persönlichen Note anreichern. Erst dadurch wird der Artikel schmackhaft für mich.

Da mich auch Reflexionen rund um die Medienwelt interessieren, lese ich auch öfters mal die Medienwoche oder  den Blog Lousy Pennies.

Und dann gibt es noch einige amerikanische Blogs wie Politico und Tech President, in denen ich mich über politische Innovationen im Web und Insider-News in Washington informiere.

Was Entwicklungen in  Social Media und  allgemein in der IT-Wirtschaft angeht: Die “Klassiker” wie t3n, techCrunch, netzwertig.com, etc.

5. Welches ist das bisher beste Social Media Event, an dem du teilgenommen hast?

Der beste Event bis anhin war eigentlich “Data Storys” vom Centre of Storytelling letzten Herbst. Gerade weil Social Media nicht Hauptthema der Veranstaltung war, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Data Stories behandelt wurde. Das Thema wurde sehr vielseitig aus Marketing-, Journalismus-, Künstler- und Philosophie-Blickwinkeln betrachtet.

6. Wie findet ein Newbie Anschluss an die Schweizer Online-Szene?

Indem er seine Themen findet und einen Blog aufsetzt. Ich folge viele vielen unbekannten BloggerInnen, die aber vielversprechend schreiben und von denen man wahrscheinlich in Zukunft viel erwarten kann. Hinter Blogs stehe Persönlichkeiten, die subjektiv über ihre Meinungen und Ansichten schreiben. Gewinnt man bekannte Multiplikatoren als Blog-Abonnenten, erzielt man schnell eine grosse Reichweite.

Erst der Blog und dann die Social Media-Profile. Diese Reihenfolge würde ich empfehlen.

7. Welches sind deine drei Lieblings-Apps?

Flipboard, Twitter, Google Drive

8. Wir basteln uns ein Social-Media-Bullshit-Bingo. Welche fünf Begriffe dürfen auf keinen Fall fehlen?

Conversion-Rate, “Wir müssen jetzt auch Social Media”, Fav-en, Content is King…  Das sind jetzt so die spontanen Begriffe, für Weiteres müsste ich den SocialMedia-Sprech konsultieren.

Und nun ihr:

Nachdem ich nun meinen Beitrag “geleistet” habe, reiche ich das Blog-Stöckchen weiter an ein paar weitere ausgewählte BloggerInen, über die mich folgendes interessieren würde…

- Luzia Tschirky

- Roman Kappeler

- Alexander Sautter

- Olivia Kühni

- Nick Lüthi

- Andreas Kyriacou

- Carmen Epp

- Sofia Esteves

- Anna Jobin

- Thomas Gemperle

1. Hast Du den Offline-Day mitgemacht? Wenn Nein, weshalb nicht? Und wenn Ja, wie war es? 

2. Nenne bitte den Monat und das Jahr Deines allerersten Blogartikels und den Titel davon. 

3.  Welches App schaust Du morgens als Erstes an…?

4. Könntest Du Dir vorstellen eines Tages Dein Geld alleine im Netz zu verdienen?

5. In welchem Jahr, glaubst Du, wird der erste Schweizer Wahlkampf hauptsächlich “im Netz” gewonnen?

6. Ganz ehrlich: Hast Du irgendwas an Deinen digitalen Kommunikationsgepflogenheiten verändert, seit PRISM der NSA bekannt geworden ist (Mails-Verschlüsselung zum Beispiel)?

7. Bist Du auf “phubbing” reingefallen?

8. Was erklärst Du alteingesessenen kulturpessimistische Printjournalismus-Koriphäen wie Frank Schirrmacher die Chancen des Internets, wenn Du die Möglichkeit dazu hättest?

9. Du-zen oder Sie-zen im Blog? Was ist der Königsweg?

10. Ein attraktives neues Medienportal bietet Dir eine lukrative Redaktorenstelle an; Du müsstest lediglich hin und wieder ein paar Native Advertising-Texte von Unternehmen veredeln und redaktionell “anreichern”. Würdest Du annehmen?

11. Wie oft hast Du dieses Jahr “Breaking” getwittert?

Wenn ihr die Fragen beantwortet, könnt ihr euch 5-10 weitere fiese (oder eben nette) Fragen ausdenken und an Personen weiterreichen, von denen ihr schon immer mal zitiert werden wolltet…Aber keinen Zwang bitte.

Nochmals zum Prinzip, erklärt von Marie-Christine: ”Das Stöckchen besteht aus vorgegebenen Fragen und ohne Deadline. Jemand beantwortet diese Fragen in seinem Blog und wirft das Stöckchen am Ende an jemand anderen (oder an mehrere) weiter.”

In diesem Sinne: Ein blogreiches 2014 wünsche ich euch allen!

Vom Scheitern des stadträtlichen Bürgerdialogs

In den nächsten Wochen werde ich regelmässig als Wahlbeobachterin für den “Karl der Grosse” über den Stadtratswahlkampf 2014 bloggen. Damit mein eigener Blog in dieser Zeit nicht ganz verwaist, gebe ich hier kleine Kostproben zum Besten und verlinke dann mit dem Originalartikel auf “Karl”.

Über die Stadtratswahlen? werdet Ihr Euch vielleicht fragen. Welcher Rat ist das schon wieder? Traditionell braucht es in der Schweiz eine Weile, bis ein lokalpolitischer Wahlkampf in die Gänge kommt. Und bei Stadträten, deren Leistungsausweise kaum jemand kennt, wird deren Beobachtung eine besondere Herausforderung sein. Wieso? Ein Exekutivamt bietet zwar Gestaltungsmöglichkeiten und Prestige. Doch gleichzeitig verschwinden neue Stadträte oft von der Bildfläche. Zur Ernüchterung ihrer Wähler.

Im Folgenden meine persönliche Bilanz zur Wahrnehmung der sieben wieder antretenden Stadträte und einiger ihrer Herausforderer aus der Opposition. Und welche Wahlkampfmomente noch für Aufregung sorgen könnten.

Den ganzen Artikel könnt ihr hier lesen. Kommentare und Widerspruch erwünscht! http://www.karldergrosse.ch/vom-scheitern-des-stadtraetlichen-buergerdialogs/

Erkenntnis der #smm13: Auf keinen Fall “Social Media”-Outsourcing!

Gestern erlebte ich ein dicht gepacktes Referenten-Programm an der Social Media Marketing Konferenz (#smm13). Welche Präsentationen rund um Social Media blieben nun effektiv bei mir hängen? Es sind diejenigen über VeloPlus und SwissCanto. Aus einem einfachen Grund: Jene “Best Practices” wirkten auf mich am Authentischsten, da ihre Social Media-Strategie inhouse entwickelt und umgesetzt wird. Und sie von zwei Branchenkennern vorgetragen worden sind, die als Facharbeiter die Social Media-Welt für sich selbst zuerst entdeckten und sukzessive in ihrem Unternehmen eingeführt haben.

Obwohl der externe Blick  eines/r Beraters/-in manchmal für die Identifikation von “Blindflecken” und naheliegenden “low hanging fruits” bereichernd sein kann: Das “Kommunikation 2.0-Outsourcing” an eine aussenstehende Agentur ist (insbesondere im B2B-Bereich) meiner Meinung nach kontraproduktiv, das ausgelagerte Social Media- und Community Management erst recht.

Welche Social Media-Plattformen für das eigene Unternehmen nutzen? Die Content Marketing-Strategie soll am Besten von Insidern entwickelt werden. Quelle:pixabay.com

Welche Social Media-Plattformen für das eigene Unternehmen nutzen? Die Content Marketing-Strategie soll am Besten von Insidern entwickelt werden. Quelle:pixabay.com

1. Appell an die Unternehmen: Hört auf die Propheten im eigenen Lande

Wieso?

Aus folgenden Gründen:

1) Insider kennen die (kommunikativen und rechtlichen) Fallstricke und Kommunikationspotenziale ihres Business am Besten. Infolge der Kenntnisse dieser Chancen und Gefahren…

2) .. fällt die Wahl auf die “richtigen” Social-Media-Plattformen…

3) ..und aufgrund des Knowhows werden Inhalte generiert, die Mehrwert (Insider-Tipps, Unterhaltung) bieten. “Hausgemachter” Content ist eben doch am Glaubwürdigsten.

Ich begründe diese Thesen mit Auszügen aus den obig genannten Referaten der #smm13:

Oliver Lutz, Online-Verantwortlicher von VeloPlus nutzt Google+ nur für den intensiven Dialog mit eingefleischten Biker-Fans. Da er selber passionierter Velofahrer ist, zählt für ihn die Qualität dieser Diskussionen mehr als die Quantität der erzielten Fans und Followers. Dies im Gegensatz zu einer externen Agentur deren Messgrössen gezwungenermassen (aufgrund mangelnden Sachverstands und überzogenen Erwartungen des Arbeitgebers) oft quantitativer Natur sind.

Aufgrund einer konkreten Problemstellung (wie einer dreckigen Fahrradkette, die er als Beispiel nannte und deren Relevanz er zuerst in der Fangemeinde eruierte), wurde im Ideen-Austausch mit der Web-Community sogar ein neues Produkt lanciert. Community Management und Business Development sind in diesem Fall eng miteinander erzahnt.

Der zweite Referent Roman Kappeler, Leiter Kommunikation von Swisscanto stammt aus dem Finanzmetier. Im Wissen der angebotenen Dienstleistungen und Kenntnis der relevantesten Social Media-Plattformen richtete sich sein Fokus von Anfang an auf einen Unternehmensblog, auf welchem die Expertise zu Fonds und Anlagen von verschiedenen Autoren zum Besten gegeben wird. Aus meiner Sicht die folgerichtige Entscheidung. Denn die entsprechenden Inhalte richten sich an ein Fachpublikum, bzw. an Anleger.

Roman Kappeler räumte bei Swisscanto zuerst mit Missverständnissen bezüglich Social Media auf, bevor die entsprechende Strategie entwickelt wurde.

Roman Kappeler räumte bei Swisscanto zuerst mit Missverständnissen bezüglich Social Media auf, bevor die entsprechende Strategie entwickelt wurde.

Er riet intern von der Nutzung der populären Plattform Facebook und der Kreation einer eigenen App ab, solange die damit verbundenen Zielsetzungen schwammig und diffus formuliert sind.

Doch auch diese Selektion der Plattformen als Resultat eines innerbetrieblichen Entscheidungs- und Reifeprozesses benötigte seine Zeit.  Es gehört eben auch bei allen Abwägungen dazu, zu verzichten und zu priorisieren.

2. Appell an die Unternehmen: Investiert lieber in eine Weiterbildung in-house anstatt in eine teure Agentur

Meine Erkenntnis an der diesjährigen Social Media Marketing Konferenz also: Ein ausgearbeiteter Redaktionsplan, die redaktionelle Betreuung der wichtigsten Social Media-Präsenzen und das Community Management allgemein soll am Besten durch eine internen Kommunikationsspezialisten umgesetzt werden. Denn dieser gehört zum festen Unternehmensinventar und stellt kein Fremdkörper dar.

Dieser Blogartikel soll nun nicht alleine Legitimationsgrundlage für meine eigene Stelle (Social Media Managerin und Online-Verantwortliche) bei der OFWI sein und die Daseinsberechtigung von Agenturen pauschal in Frage stellen.

Doch wage ich zu behaupten, dass mich – in meinem konkreten Fall- einerseits mein grosses Interesse an Transparenz, öffentlichen Daten, an Wirtschafts- und Politikthemen dazu befähigte, eine tragfähige Content Marketing-Strategie für die Orell Füssli Wirtschaftsinformationen zu entwickeln und umzusetzen.

Sicht den Zugang zu internen Content-Lieferanten schaffen, braucht Zeit

Andererseits war es auch die Zeit, dank der ich mir den Zugang zu allen wichtigen “Schaltstellen” verschaffte und das relevante Knowhow aufbauen konnte:  Nach einem Jahr kenne ich nun etliche interne Content-Lieferanten, die mir “Stoff” und Inputs für die spannenden Geschichte liefern. Erst eine profunde Auseinandersetzung der OFWI-Produkte ermöglichte mir, greifbare Geschichten aus den abstrakten Daten“herauszulesen” und kreatives Anschauungsmaterial zu produzieren (in Form von Blogposts und Infografiken).

Ein Experte für “Storytelling”, der v.a. auf Emotionalisierungaspekte pocht, wäre da bei einem Wirtschaftsdatenanbieter wohl eher schlecht aufgehoben. Ob eine Kommunikationsagentur, die mehrere Mandate nebeneinander betreut, über Zeit und Ressourcen für eine solch aufwendige Content Marketing- Implementierung verfügt, bezweifle ich.

Über das Storytelling auf Basis abstrakter Wirtschaftsdaten und wie “artverwandt” meine Redaktionsarbeit mit der Vorgehensweise eines Online- und Datenjournalisten manchmal sein kann, schreibe ich in meinem nächsten Blogpost.

Weitere Blogzusammenfassungen zur #smm13:

Zusammenfassung von Sven Ruoss

Storify-Zusammenfassung von Harry Zenklusen

Resumé von Su Franke 

Video-Dokumentation von Justyna Grund

Artikel von “Marketing&Kommunikation”

Gastbeitrag von Oliver Lutz auf Bisculm Blog

Google-Suchmaschinenranking wird sozialer

Das Netzwerk Google+ wird als “Sozialer Klebstoff” aller Google-Dienste immer relevanter. So funktionieren die einzelnen Services wie die Suchmaschine, lokale Firmeneinträge, Profile des Netzwerks Google+ und Werbe-Anzeigen bereits jetzt schon nicht mehr unabhängig voneinander, sondern bedingen und beeinflussen sich gegenseitig positiv. Viele Ergebnisse dieser Synthesen bilden sich unmittelbar im Suchmaschinenranking ab und kommen “Google+Pionieren” der ersten Stunde zunutze. 2 konkrete Suchbeispiele. 

Auch wenn zurzeit “nur” die grossen Marken wie Redbull ein “vitales” und aktives Profil auf Google+ pflegen: Eine grosse Chance bietet das neue Netzwerk von Google den KMUs mit kleinerem Budget. Denn durch die aktive Bewirtschaftung und Nutzung sämtlicher Google-Dienste lässt sich eine optimale Positionierung bei Google für ein Unternehmen herausholen.

Dank Konsumentenmeinungen die Spreu vom Weizen trennen

Wir allen kennen die Situation: Wenn wir uns über ein neues Hotel oder ein Restaurant in einer neuen Umgebung im Netz informieren, interessiert es uns, wie andere Nutzer und Konsumenten jene vorgeschlagenen Lokale bewerten. Nirgendwo ist die Kundenmacht so gross und evident wie im transparenten Web: Die Meinungen und Erfahrungen anderer Leute sind massgeblich für unsere Entscheidungsfindung in Zeiten der Hochkonjunktur von Social Media.

Sie helfen uns im Web die “Spreu vom Weizen” zu trennen und die Flut von Angeboten im Internet auf Qualität und Seriosität zu überprüfen. Es ist daher kein Geheimnis, dass Konsumenten bei der Produktwahl stark auf die Meinungen anderer Kunden vertrauen.

Das neue soziale Netzwerk entwickelt sich imme mehr zum übergreifenden sozialen Klebstoff aller Google-Dienste. (Quelle:pixabay.com)

Das neue soziale Netzwerk entwickelt sich immer mehr zum übergreifenden sozialen Klebstoff aller Google-Dienste. (Quelle:pixabay.com)

Linkhandel wird einmal ausgedient haben

Dieses Empfehlungsmechanismus greift immer mehr auch beim “klassischen” Online-Marketing-Bereich von Google (den Google AdWords-Kampagnen) und auch in Bereichen der Suchmaschinenoptimierung. Bewertete Google früher Inhalte, Domains und Backlinkstrukturen zu bestimmten Begriffen, so haben immer mehr die Kunden die Hoheit über das Suchmaschinenranking. Die Konsumenten, Fans und Follower steuern mit ihrer öffentlichen Web-Unterstützung und Meinungen somit die Rangfolge der Suchtreffer. Die “herkömmlichen” Methoden und Techniken für die “Google-Aufwertung” von Webinhalten werden in Zukunft wohl ausgedient haben.

Der wachsende Einfluss von Google+ zeigt sich jetzt bereits im Suchmaschinenranking: So wird die “Gefolgschaft” auf dem Google-eigenen sozialen Netzwerk einer Unternehmensmarke bei erweiterten Google-Anzeigen prominent platziert. Ebenso fliessen Erfahrungsberichte der Nutzer direkt in die Suchtrefferliste ein.

Ein Beispiel: Wir suchen nach einem Zahnarzt in Interlaken und geben jene Suchbegriffe bei Google ein. Folgende Resultate werden mir bei der Begriffkonfiguration vorgeschlagen:

Zahnarzt

Ein Resultat sticht bei allen Firmen-Einträgen besonders heraus. Bei “Dr.Med. Jean-Pierre Röthlisberger” sind “2 Google-Bewertungen” platziert und eine Besucherin genannt, die jene Praxis mit “exzellent” bewertet hat.

Die Zusatzinformationen sind nicht nur ein Blickfang; sie wecken Interesse beim Suchenden und wirken vertrauensfördernd. Somit klickt man intuitiv auf den Link oder auf die Bewertungen, um mehr über das Feedback von bisherigen Kunden zu erfahren.

Google+-Fans werten Werbe-Anzeigen auf

Ein zweites Beispiel: Ich suche beispielsweise online nach“Snowboard Jacken Schweiz” um meine Wintersport-Ausrüstung zu komplettieren und einen passenden Anbieter in meiner Nähe oder einen günstigen Online-Shop zu finden. Die generierten Suchtreffer zeigen mir neben organischen Suchresultaten eine Fülle von Werbe-Anzeigen an.

Snowboard

Werbe-Anzeigen jeglicher Art ignoriere ich grundsätzlich immer gerne. Augenfällig sind für mich deswegen Anzeigen von Marken, die von einer grössere Zahl von Personen “gefolgt werden” oder mit einem “+1”honoriert worden sind. Jene Erweiterung der Google-Anzeigen- welche Google im letzten Jahr ausgerollt hat- zahlt sich für Unternehmen aus, die bereits Google+-Nutzer der ersten Stunde sind und sich dadurch eine kleine Fanbasis (die “+1” oder Follower genannt) aufbauen konnten.

Die Zusatzinformation beispielsweise beim “Snowboard Jacken Shop Skate Deluxe” “712 Personen geben +1 für oder folgen skatedeluxe” suggeriert eine kritische Masse von Anhängern. Denn wenn eine so hohe Zahl von Web-Nutzern sich öffentlich zu einem Anbieter von Snowboard-Jacken bekennt, kann die angebotene Ware so schlecht nicht sein.

Dieser Beitrag ist eine gekürzte Version des Artikels, den ich für “MyKompass” geschrieben habe. MyKompass ist ein Web-Dienstleister, der sich auf Online-Marketing für KMUS spezialisiert hat. 

Über die blöden sozialen Medien: Ein offener Brief an Herrn Strittmatter

Lieber Herr Strittmatter

Ich lese seit geraumer Zeit die Handelszeitung und habe mir neulich das Interview mit Ihnen zu Gemüte geführt. Leitthema des Interviews war die Frage, weshalb die Bindungen zwischen Auftraggeber und (Werbe-)Agenturen in den letzten Jahren fluktuativer geworden sind. Und wie sich der verschärfte Wettbewerb auf die Anbieter auswirkt.

Auf die Frage Ihres Interviewpartners, ob Sie für Ihre Kunden auch den Einsatz von Social Media anbieten, antworteten Sie unverfroren: „Wir setzen da externe Spezialisten ein, die nichts dagegen haben, für solche Sachen blöd genug zu sein”

Mal abgesehen von ihren offensiven Beleidigung Ihrer Partner, die sich offenbar gerne „intellektell unterfordern” lassen, eine kleine Stellungnahme von Jemandem aus der betroffenen blöden Social Media-Gilde (da vermutlich wenig LeserInnen der Handelszeitung in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, ist es wohl die Erste dieser Art):

Ich selber arbeite nicht in der Werbebranche und auch Ihr Name war mir vorher unbekannt. Ihre provokative Aussage hat jedoch mein Interesse für Ihre Person geweckt. Denn selten habe ich eine so herablassende Äusserung über die professionelle Nutzung von Social Media in der Medienöffentlichkeit gehört. Die meisten exponierten Personen in der Politik-, Wirtschafts- und Medienwelt, die mit sozialen Netzwerken nichts anzufangen wissen, halten sich eher vornehm zurück. Und begründen Ihre negative Einstellung mit ihrem Alter, ihrer Überforderung oder anderen (Lern-) Resistenzen gegenüber Web-Plattformen. Sie hingegen schienen Ihrem Urteil keine Erklärung beifügen zu wollen (vielleicht wurde eine allfällige Begründung auch aus Platzspargründen entfernt, was ich dann natürlich der Redaktion und nicht Ihnen anlasten würde).

Ich habe mir daraufhin von verschiedenen Seiten sagen lassen (u.a. auch von informierten vermeintlich „blöden“ Berufskollegen Ihrer Branche via Twitter), Sie gehörten in früheren Jahren zu den Granden der Werbebranche und führen eine renommierte Werbeagentur (die GGK) mit prestigeträchtigen Kunden.  Ihr Stern sei jedoch nach Meinung von Kennern verglüht und diese Aussage demonstriere einmal mehr ihre Frustration über diesen Wandel, der sich auch in der Werbebranche vollzogen habe. Den Sie offensichtlich nicht mittragen möchten. (Auch diese Diskussion führte ich übrigens auf dem „blöden“ Twitter)

Mich würde interessieren: Woher stammt nur diese abwertende Haltung gegenüber sozialen Medien und ihren Nutzern, denen Sie offensichtlich einen niedrigen Intelligenzquotienten zuschreiben?

Offensichtlich erachten Sie die Verpackung Ihrer Inhalte im Rahmen von 140 Zeichen als Trivialisierung der Werbekunst. Sind denn klassische Werbeslogans denn nicht meist noch kürzer formuliert? Appellieren denn Beiträge, Tweets und Postings auf Facebook, Twitter und Co. in denen zur Mitwirkung und Engagement aufgefordert wird, nicht mehr an den Verstand? Sind involvierende Fragen nicht anregender, spannender für den Konsumenten? Erhöht sich die Identifikation mit einer gewissen Marke nicht gerade dadurch?

Erfordert das Konzipieren und Produzieren klassischer Werbemittel tatsächlich mehr Intelligenz? Zeichnen sich passivere Rezipienten Ihrer Werbebotschaften tatsächlich durch höheres Niveau in ihrem Konsumverhalten aus?

Scheinbar – und nun stelle ich einige Vermutungen an, die ich aber bei anderem Sachverhalt gerne bereit bin, zu revidieren- sind Sie nicht sonderlich interessiert an den Reaktionen der angesprochenen Zielgruppen. Und bevorzugen die etablierte Einwegkommunikationsschiene. Sie verhöhnen als “enfant terrible”  der Schweizer Werbeszene somit lieber die Dialogmedien und deren Knowhow-Träger mit plumpen Worten. Wahrscheinlich weil neue Agenturen, die sich in den letzen Jahren auf digitale Werbekampagnen spezialisierten, Sie vom Spitzenplatz des Werbeolymps verdrängt haben. Das ist bedauernswert.

Natürlich, Sie brauchen sich auch nicht Feuer und Flamme für den Einsatz von Social Media zu begeistern. Schweigen darüber oder ein diskreter Verweis auf die Auslagerung des “Online-Zeugs” an Ihre Partneragenturen hätten es auch schon getan. Mit dieser Bemerkung haben Sie sich meiner Ansicht nach aber als Werbeprofi disqualifiziert. Sie bestätigen damit viel mehr das Bild des typischen selbstgefälligen Werbers. Ich hoffe, die Redakteure der Handelszeitung erweitern ihr Expertennetzwerk um einige offenere Branchenkenner, mit ganzheitlicherem Blick für Werbe- und Marketingmethoden. Denn nur eine solche Konsequenz würde die jüngste Berichterstattung über die Phänomene rund um soziale Medien und deren Bedeutung für die Wirtschaftswelt, denen sich die Redaktion mit grosser Offenheit und Neugier widmete, glaubwürdig erscheinen lassen.

Als Letztes möchte ich noch eine abschliessende Bemerkung als Konsumentin und potenzielle Kundin Ihrer Auftraggeber machen: Früher habe ich oft bei Werbespots oder Bannerwerbung weggeschaut, geklickt oder –geschaltet. Und wenn das Werbefenster stets zeitlich begrenzt war, dann halt einfach über mich “ergehen” lassen. Nun habe ich die Möglichkeit meine Meinung zur Kampagne kundzutun und den Unternehmen in einem einfachen Kommentarfeld mitzuteilen, wie clever, intelligent, witzig ich die jeweilige Werbeidee und –umsetzung empfinde. Schon alleine aufgrund des Muts, sich den kritischen Meinungen der Weböffentlichkeit zu stellen, würde ich aber auf die Verwendung des Adjektivs „blöd“ tunlichst verzichten. Die Web-Netiquette in Social Media hat nämlich eine disziplinierende Wirkung unter den Web-Nutzern. Gerade Kraftausdrücke gelten in der Online-Community oft als verpönt.

Über eine Antwort oder mehrere Antworten (zugegeben, ich habe auch viele Fragen gestellt) von Ihnen würden ich und bestimmt auch viele andere “blöde” Social Web-NutzerInnen sich freuen. 

Mit freundlichen Grüssen.

Adrienne Fichter

 PS: Auf Ihrer Website wurden Sie in Ihrem Porträt als “Pionier und Bewahrer” umschrieben: Ich hoffe, der Pioniergeist wird wieder aufflammen und gegenüber dem zweiten Element überwiegen.  Denn ich glaube Konservatismus macht sich nicht so gut in Ihrer Branche.