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Stand 29.2.2016 um 8:00.

Zivilgesellschaft 2.0 versus Katzen

Ich habe mich vorgestern zur Aussage hinreißen lassen, dass am letzten Abstimmungssonntag auch Social Media gewonnen habe. 48 Stunden -und eine Erwähnung- später stehe ich immer noch dazu. Ich möchte in diesem Blogartikel kurz erklären weshalb.

Nein, nun folgt keine empirische Viralitätsanalyse. Ja, es gab bis Montagmorgen mehr als 10’200 Tweets zu #abst16 und ja, das sind in dieser Grössenordnung bestimmt nicht wenige (mehr als bei den Eidgenössischen Wahlen). Der Platz in den Twitter-Charts der Schweiz war trotz der Oskarnacht gewiss.

Stand 29.2.2016 um 8:00.

Stand 29.2.2016 um 8:00.

Dennoch: Haupttreiber sämtlicher Social Media-Kampagnen der NEIN-Lager (#DSI und #Heiratsstrafe) war nur eine Plattform: Facebook.

Politisch durchtränkter Newsfeed

Bei fast 3,6 Millionen Schweizer Usern lässt sich von einer enorm hohen Durchdringung eines Netzwerks sprechen (bei Twitter sind es circa 750’000 User, die ähnlich wie in Deutschland eher eine akademische linksliberale Elite repräsentieren).

Facebook bietet als semi-öffentliches Netzwerk kaum brauchbare Analyse-Instrumente ausser der Messung von Facebook-Fanpages (Anzahl Fans und deren demographischen Merkmale) und dem Graph Search (bei entsprechender US Englisch-Spracheinstellung).

Der Facebook-Newsfeed eines politisch durchschnittlich interessierten Schweizer Bürgers war in den letzten Wochen regelrecht durchtränkt mit politischen Botschaften. Natürlich befand ich mich aufgrund meiner politischen Präferenz in einer algorithmusgetriebenen Informationsbubble, die stark von den Nein-Lagern bewirtschaftet wurde. Doch auch mit gesponserten Postings der Befürwortern wurde man unweigerlich konfrontiert.

Was auch ein Vorteil ist: Die Interessenzuordnung bei Werbezielgruppen erfolgt bei Facebook vorwiegend semantisch und nicht nach intelligenten Kriterien. So kann man sich – wie im öffentlichen Raum bei Plakaten – auch mit den Argumenten und Schlagworten der Kontrahenten auseinandersetzen. Oder einfach wegsehen (bzw. klicken). Ich für meinen Teil habe mir einige Gefechte geliefert mit #Heiratsstrafe- und #DSI- Befürwortern (was nicht immer erbauend war).

Medien profitieren von Social Media

Die These der schwindenden Deutungs/Informationshoheit der Massenmedien und des Bedeutungszuwachses von Social Media bei politischen Fragen halte ich für falsch.  Es gibt kein entweder oder. Kein Antagonismus. Gerade während der heissen Phase wurden von beiden Lagern sämtliche Medienlinks zur Untermauerung  der Positionen auf Facebook und Twitter gepostet.

Auch das ist mittlerweile Benchmark der Online-Kampagnenführung geworden. Social Media dienen als Reichweiten-Generatoren für Medieninhalte, gerade während des Abstimmungskampfs. Jede Umfrage bei Redaktionsleitern von Newsrooms würde die wachsenden Social-Anteile zu Abstimmungsthemen bestätigen.

Breites Repertoire an digitalen Stilmitteln 

Ausserdem: Dank Stilmitteln wie Memes und neuen Online Tools für Infografiken, Livestream-Funktionen und direktem Videoupload wurde jedoch noch nie so viel originärer kreativer Social Media Inhalt von zivilgesellschaftlichen Akteuren (engagierte Bürger, Parteien, Verbände, Kampagnen-Lager) geschaffen. Auf dieses breite digitale Repertoire konnten die politischen Akteure bei der #MEI-Abstimmung (2014) noch nicht zurückgreifen.

Eine von zahlreichen #DSI-Memes die in meinem Facebook-Feed zirkulierten.

Eine von zahlreichen #DSI-Memes die in meinem Facebook-Feed zirkulierten (gepostet von meinem FB-Freund André Müller).

Eine mehrfach geteilte Grafik, die ein Freund aus Eigeninitiative kreiert hat.

Eine mehrfach geteilte Grafik, die ein Freund aus Eigeninitiative kreiert hat.

Doch die (infolge tausendfacher Sharings multiplizierte) enorme Reichweite zu rekonstruieren und auszuwerten, ist fast unmöglich. Memes und Grafiken lassen sich nicht vertaggen. Die Suchfunktion steht nur bei öffentlichen Fanpages und nicht für Profile zur Verfügung.

Ob virale Inhalte der politischen Lager auch die mehrheitlich politisch homogenen Facebook-Freundeskreise zum politischen Meinungsumschwung bewegen konnten, bezweifle ich.

ABER: Die zahlreichen Appelle und Abstimmungsreminder in unseren Feeds dienten zur Aktivierung.  Lasst uns also präzisieren: Auch Social Media siegte am letzten Abstimmungssonntag. In Sachen Mobilisierung. 

Ich reiche nun den Ball weiter an Politan und DeFacto, die die Rolle von Social Media bei den letzten #abst16-Themen (hoffentlich) noch fundierter untersuchen werden.

Zu Recht meinte ein Facebook-Freund von mir, dass die vernachlässigten Katzen wohl laut “Reclaim the Facebook-Feed” nun miauen. Sie dürfen ihr Plätzchen im Newsfeed zurückerobern, aber bitte nicht zu schnell.

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Ist Facebook-Video bei Schweizer Medienhäusern angekommen?

Video, Video, Video: Die Netzavantgarde und Digital-VordenkerInnen unter den Medienschaffenden aus Deutschland haben Bewegtbild auf Social Media zum Supertrend 2016 erklärt.  Welche Rolle spielt dieses Format im Social Media-Alltag der Schweizer Medienhäuser?

Bewegtbildformat oder eben Videos und Gifs gehören zu den beliebtesten Inhalten auf Social Media. Die Plattformen und Messenger überbieten sich mit Superlativen: 8 Milliarden Videoaufrufe vermeldete Snapchat. Auch Facebook mischt als neuer Video-Player kräftig mit und honoriert alle “geschenkten” genuinen Aufnahmen – also direkt hinaufgeladenen Videos – algorithmisch (wird Nutzern öfters angezeigt als andere Formate).

Entscheidend ist die mediumsgerechte Aufarbeitung von Videos

Die Zutaten für ein erfolgreiches Video haben die Macher der Social Media Discovery-Plattform Newswhip zusammengefasst: Untertitelung (das Video muss mobile und stumm funktionieren), eine Länge von circa 20-50 Sekunden, viele Schnitte, keine langen Sprechszenen, viel Handlung und ein  eingebetteter Call to Action-Button.

Fakt ist: Videos, die auf ein externes Medienportal locken sollen, müssen in einer spezifischen Teaser-Fassung extra produziert werden. Unsere Auswertungsdaten der NZZ zeigen, dass trotz hoher Viewszahlen nur eine kleine Zahl von Usern das Video länger als 30 Sekunden anschaut.

Der Themenreigen der erfolgreichsten Videos (bei der NZZ) ist breit: Von Lokalkolorit (Güterzug durch die Stadt Zürich) über Zeitgeist-Themen und wissenschaftlichen Erklärstücken bis zu Porträts von Flüchtlingen.  Kurz zusammengefasst lassen sich die Videos unter der Formel “Berührend, erklärend und involvierend” subsumieren.

Illustrierte und audiovisuell ansprechende und aufwendige Erklärstücke (wie das Beispiel von Channel 4 News) eigenen sich besonders gut für Medien, die dem Qualitätsjournalismus verpflichtet sind.

Who will vote to leave the EU?A university graduate is more than twice as likely to want Britain to stay in the EU than someone with no qualifications.What else do we know about how people will vote in the referendum? And what does it say about the deep divisions in British society?

Posted by Channel 4 News on Freitag, 19. Februar 2016

Die Nachteile des “bewegenden” Facebook-Hypes: Ein Monetarisierungssystem wie bei Youtube durch Vermarktung von Video Ads scheint keine Priorität auf der Entwicklungsagenda von Facebook zu sein. Video-Künstlern, die sich nicht nur von Luft ernähren wollen, sei somit nicht empfohlen, auf eine reine Facebook-Präsenz zu setzen.

Und auch für Medien gilt: Mit direkt hinaufgeladenen Kurzfilmen und ganzheitlichen Formaten wird Publizistik einmal mehr verschenkt. Nur ein Bruchteil der Zuschauer nimmt die am Schluss aufgeblitzten “Mehr ansehen”-Button (die auf die Portale verlinken) noch wahr.

Allerdings erfassen die gängigen Metriken wie Klicks und Shares das Social Media-Konsumverhalten der meisten Nutzer unzureichend, wie ich schon an früherer Stelle konstatiert habe (Stichwort: Neue Relevanzkritieren des Plattform-Journalismus und “unsichtbare” Interaktionen wie Verweildauer, Views ).

 

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Facebook hat an allen Stellen des Newsfeed-Algorithmus geschraubt, um Videos zum beliebtesten (weil im Newsfeed meist ausgespieltesten) Medieninhalt avancieren zu lassen. Aufrufzahlen werden durch die automatische Wiedergabe in den Newsfeeds der Nutzer teilweise künstlich aufgebläht. Youtube und Vimeo-Links hingegen werden in Form einer verkleinerten Vorschau abgestraft. Man merkt: Der Social Gigant mag keine externen Videoplattformen mehr.

Welche Video-Aktivitäten bei Facebook verfolgen die Kolleginnen und Kollegen des Tagesanzeiger, SRF, Blick, 20 Minuten und Watson? Ich habe mir die prozentualen Anteile der verwendeten Facebook-Formate ( Quelle: Fanpagekarma.com) im letzten halben Jahr angeschaut (20 Minuten Online ist aus technischen Gründen nicht auffindbar beim besagten Monitoringtool, die Betreiber der Plattform wissen Bescheid. Ich habe bewusst SRF 3 wegen des hohen Videoanteils ausgewählt).

Hinweis: Diese Infografik misst nur die Formate-Verteilung und keine Performance (Views, Times spent, Likes, Shares etc.) der jeweiligen Postings.

Im Vergleich zu den reichweitenorientierten Portalen mit Fokus auf Unterhaltungsthemen wie beispielsweise beim Blick.ch/ Blick am Abend oder innerhalb des SRF-Sendeangebots SRF3  spielen Videos bei der Facebook-Bewirtschaftung bei der NZZ noch eine Nebenrolle. watson und Blick kuratieren viele virale Fremdinhalte, was auch die Beitragsreichweite erhöht. Es geht ja bekanntlich, wie oben erwähnt, nicht immer nur um Klicks.

Doch sowohl bei uns wie auch – denn Gesprächen nach – beim SRF, Tagesanzeiger, Blick und Watson wird eine tragfähige und plattformübergreifende Bewegtbild-Strategie  ein wichtiger Schwerpunkt der digitalen Publizistik im Jahr 2016 sein. Auch die Schweizer Medienhäuser haben somit die sozialen Signale der Zeit erkannt.

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Verwilderte Kommentargärtchen, reiches Silicon Valley, Virtual Reality für mehr Empathie – Mein “Listicle” zum Thema Online-Leserkommentare

Ich war in den letzten  Wochen einige Male eingeladen worden, um über den besseren Umgang mit Leserkommentaren im Netz zusprechen. Das Thema beschäftigt die Medienredaktionen, wie auch die illustre Runde beim gestrigen #Medienclub von SRF bewies.

Wie immer vermag man bei solchen Anlässen angesichts der knapp bemessenen Zeit (Radio-Sendung und Podium) und der Nervosität nicht alle Aspekte zu artikulieren, die einem durch den Kopf schwirren. Deswegen möchte ich an dieser Stelle nochmals alle virulenten Thesen diskutieren.

Eine Klarnamenpflicht vergrault die wünschenswerten User 

Der Presserat hat vor einigen Wochen – von der Öffentlichkeit fast unbemerkt (im  deutschsprachigen Raum hat fast nur SRF berichtet) –  entschieden, dass Online-Kommentare bei Medienportalen in Zukunft nicht mehr anonym verfasst sein dürfen. Wie das im Alltag genau umgesetzt werden soll, darüber schweigt sich der Rat aus. Ein paar ältere Eminenzen haben von Online-Redaktoren nun die Anpassung an Printkategorien gefordert. Eine realitätsfremde Entscheidung.

Wieso? Namen und Geschichten leben im Netz unbegrenzt weiter. Meine schriftlichen Meinungen werden von Google indexiert, verschlagwortet und Teil meines digitalen Erbes. Im schlimmsten Fall müsste man sich wöchentlich mit Google und Lesern gerichtlich einigen, wenn letztere auf das “Recht auf Vergessen” pochen. Der Print-Leserbrief ist aber morgen bereits Altpapier und verschwindet irgendwann aus den Köpfen.

Der umsichtige Leser wird das wissen und auf einen Beitrag im Forum verzichten, auch wenn ihm das Thema unter den Nägeln brennt und er sogar mit Fachwissen den Artikel bereichern dürfte. Somit werden die falschen Personen abgeschreckt: Besonnene Leser, die womöglich mit moderaten und differenzierten Ansichten den Hardlinern und Trollen in den Foren Paroli bieten möchten.

Ausserdem könnte eine Klarnamenpflicht auch justiziable Folgen haben für Newsportale. Bei hängigen Gerichtsentscheidungen, über die aktuell berichtet wird, dürften betroffene Protagonisten gar nicht unterhalb der Artikel ihre Sichtweisen niederschreiben. Denn Medienportale haften für jene Aussagen, gerade bei laufenden Verfahren.

Zielführender wäre es stattdessen auf provozierende, Stellung beziehende Pseudonyme wie zum Beispiel “DerkleineErdogan”  zu verzichten und bürgerliche Namen verlangen. Ob mir nun Marc Berger oder Marc Burger aus Spiez antwortet, ist letzten Endes unerheblich für die Diskussion. Hauptsache der Community Redaktion ist die Person bekannt. Denkbar wäre es eine “Klarnamenregistration” samt Telefonnummer (wie es das SRF derzeit macht) einzuführen. Den Benutzernamen könnte man wiederum frei wählen.

 

 

Medienportale kapitulieren und schliessen die Leserkommentarspalte. Falsch.

Erstens würde ich nicht von einer Kapitulation sprechen. Es handelt sich beim sogenannten Trend vorwiegend – mit Ausnahme der Sueddeutschen-  um amerikanische Newsportale. Man sollte diese Entwicklung im richtigen kulturellen Kontext verorten. Die Social Media-Durchdringung in den USA ist ungleich grösser als in Europa. Angesichts begrenzter Ressourcen und fragmentierter Kommentaröffentlichkeiten hat man pragmatisch entschieden, die Moderationskräfte dort zu investieren, wo die Musik spielt: Nämlich in den sozialen Netzwerken.

Ich gehe aber mit vielen Kritikern einig, dass man mit der Auslagerung von Publikumsdebattem einmal mehr die Konzernspitzen der Technologieunternehmen im Silicon Valley  reich macht. Dennoch sollte man die Diskussionskulturen nicht allein aus businessrelevanten Gesichtspunkten betrachten. Denn demokratische Diskurse finden immer mehr in den Kommentarspalten statt.

Zweitens könnte dieser Schritt als ernstzunehmende Adelung der Online-Kommentare gewertet werden. Mit der Abschaffung von Leserkommentaren geht vielerots wie beim Portal “Motherboard” die Kreation von neuen Gefässen einher. Ausgewählte Beiträge von Lesern werden in selektiven Foren kuratiert und erhalten analog zum Leserforum mit einer spezifischen Rubrik sogar noch grössere Publizität.

Treat Readers Comments as Content” empfehlen passenderweise Community Redaktoren der New York Times. Um publiziert zu werden, muss man sich vorgängig anhand festgelegter Kritierien “qualifizieren”. Insofern emanzipieren sich Online-Leserkommentare zu den Print-Leserbriefen und werden von den printfixierten leserbriefnostalgischen Redaktoren als gleichwertige Inhalte behandelt.

Überhaupt sollte man sich vom Begriff Kommentare verabschieden (die mehr Reiz-Reaktion-Reflexe suggerieren) und eine echte Debatte als nächste Evolutionsstufe des zivilisierten Web 2.0 anstreben. “Make Conversations, not comments” heisst ein empfehlenswerter Artikel auf Medium.com.

Die Redaktionen hatten es verpasst, Tonalität und inhaltliche Wünsche an ihre Leser transparent zu signalisieren. Denn worüber genau soll die Leserin sich äussern? Soll sie die These des Artikels reflektieren, die vernachlässigten Aspekte aufzählen, den Gegenstand an sich diskutieren? Dies führt mich zu meinem nächsten Gedanken.

Der Publikumsandrang am JournalismusTag15 bei der "Reflexion"-zum Thema "Publikums-Kritik im Netz " war erfreulich hoch. Auch junge Journalisten scheinen sich für das Thema stark zu interessieren. Die Medienjournalistin und Kommentarexpertin Ingrid Brodnig waren zu Gast, im Anschluss diskutieren sie, Christian Lüscher und ich im Podium.

Der Publikumsandrang am JournalismusTag15 bei der “Reflexion”-zum Thema “Publikums-Kritik im Netz ” war erfreulich hoch. Auch junge Journalisten scheinen sich für das Thema stark zu interessieren. Die Medienjournalistin und Kommentarexpertin Ingrid Brodnig waren zu Gast, im Anschluss diskutieren sie, Christian Lüscher und ich im Podium.

Was wollt ihr genau von euren Lesern konkret wissen? Gar nichts? Dann bietet kein Forum an.

Es gibt mittlerweile einen Begriff für diese Problematik: “Derailing” Das gezielte Entgleisen lassen einer Debatte. Ablenken vom Kerngehalt eines Artikel mit indirekten sachfremden Beiträgen. Was ist die Ursache dafür? Ganz einfach: Das Desinteresse und die Gleichgültigkeit von Redaktionen. Ein Beispiel, welches ich immer gerne wieder erwähne: Kurz von den Wahlen vom 18. Oktober 2015 haben Medien über das neueste Wahlbarometer der SRG berichtet, mit den  prognostizierten Wähleranteilen der Parteien.

Der ersten Kommentar eines Wutbürgers unterhalb des besagten Artikels lautete typischerweise: Wieso verschwende ich meine Steuergelder für solche Wahlbarometer? In der Folgeantwort verteidigt ein erboster Leser die SRG. Der dritte User vermutet Manipulationen zugunsten der Mobilisierung der Linken. Und die ungesunde verschwörungstheoretische Dynamik nimmt ihren Lauf.

Wie lassen sich solchen verselbstständigten destruktiven Diskussionen vorbeugen? Beispielsweise mit einer ganz bestimmten Frage. In diesem Beispiel: “Die SVP und FDP werden die eidgenössischen Wahlen 2015 für sich entscheiden. Was denken Sie, wird dieses Szenario eintreffen?” Und der Autor verpflichtet sich darauf mindestens 3 Antworten – eine Regel, die übrigens der Guardian seinen Journalisten aufoktroyiert hatte – zu liefern.

Es liegt im ureigenen Interesse von Redaktoren ausgewogene Reaktionen auf ihren Text erzielen. Denn ein Überhang an negativen Kommentaren beeinflusst auch massgeblich die Leser in ihrer Urteilsfindung zum Artikel, wie verschiedene Studien beweisen.

Sie erachten die Qualität des Texts als schlecht, wenn viele Nutzer kritisieren (auch wenn es sich dabei um eine laute Minderheit der Leserschaft handelt).  Der Haupttreiber der Motivation, um einen Kommentar zu verfassen, ist es, eine alternative Sichtweise zu einem Thema niederzuschreiben und vom Autor anerkannt zu werden, wie eine Umfrage der New York Times gezeigt hat. Nur wenige (5 Prozent) schreiben, um mit anderen Nutzern zu interagieren. Doch auch zu diesem Aspekt gibt es unterschiedliche Studienresultate: Readers have mixed feelings about journalists interacting on Facebook.

Facebook hat im Vergleich zu Medienportalen das intelligentere Kommentarsystem entwickelt

Eine gewagte These? Nicht unbedingt. Viele Nutzer stellen sich auf Facebook ihre personalisierte Zeitung zusammen, indem sie die Fanseiten von Medienportalen abonnieren. Interagiert der Administrator einer Facebook-Seite mit seinen Fans und generieren Beiträge viele Kommentare, so wird dies von Facebook honoriert.

Die positive Bewertung durch den Newsfeed-Algorithmus bei vielen Kommentaren sorgt für eine längere Halbwertszeit eines Postings, der Beitrag dringt in noch mehr Newsfeeds von Fans und wird noch mehr geklickt etc. Eine Auseinandersetzung mit Facebook-Fans ist somit auch kommerziell attraktiv. Investitionen in die Moderation von Facebook-Kommentaren lohnen sich also ungleich mehr. Die Facebookseite von Medienportalen wird zum digitalen Schaufenster oder zur Visitenkarte.

Im Vergleich zu den lausigen Kommentarsystemen von Newsportalen, in denen einfach der neuste Beitrag eines User nach oben gespült wird, hat das grösste sozialen Netzwerk sich bessere Anreize für die Anordnung von Kommentaren ausgedacht. Medienportale haben sich bis heute  höchstens überlegt, wie man die die intelligentesten Kommentare sichtbarer machen  und den Mob möglichst  ”verbergen” könnte. Sie haben sich nicht überlegt, wie sie ihre eigenen Redaktoren zur Beteiligung in Debatten incentivieren und bewegen können.

Natürlich hat man auf einer fremden Plattform keine Hoheit über sein Gärtchen. Community Manager fungieren oftmals als Brandlöscher und müssen im Nachhinein reagieren, indem sie gepostete Kommentare entfernen.

Doch Facebook gibt Moderatoren hilfreiche Funktionen in die Hand, wie zum Beispiel den “Verbergen”-Button. Wird diese aktiviert, so ist der Kommentar nur noch für den User selber sichtbar. Er wähnt sich nach wie vor als Teil des Kommentarthreads, während alle anderen Nutzer von den Weisheiten verschont bleiben.  Solche Funktionen führen zu einer Deeskalation.

Mit den künftigen Emojis-Buttons werden dem Facebook-Nutzer neben dem Like und Share ein breites Repertoire von non-verbalen Interaktionsinstrumenten zur Verfügung gestellt,  im Gegensatz zu Medienportalen. Emotionen zu einem bestimmten Text und einem Artikel können so besser kanalisiert werden, bevor man in die Tasten haut.

Die Dominanz von Facebook & Co als Trafficgeneratoren für Medienportale befördert weichgespülten Social Journalism und seichte Kost. Falsch.

Diese vorherrschende Auffassung lässt sich empirisch widerlegen. Natürlich lassen sich die fög-Befunde der emotionalisierenden enpolitisierenden Viralhits wie Katzenvideos nicht wegdiskutieren. Konzentriert man sich auf die Fanseiten von Medienportalen, die Qualitätsjournalismus anbieten, kommt man zu einem anderen Schluss.

Unsere Fancommunity goutiert beispielsweise Eigenleistungen, exklusive Geschichten und ignoriert simple Agenturmeldungen. Das können lange Essays, Reportagen von Korrespondenten oder Analysen von Experten sowie streitbare Gastbeiträge sein.

In fünf Jahren… wird es immer noch Leserkommentare geben

… allerdings in institutionalisierten Gefässen und in einer produktiveren Variante mit publizistischen Verwertungsmechanismen. Die meisten Medienportale orientieren sich neu und befinden sich in einer Umbruchsphase. Die meisten entwerfen überhaupt nach Jahren resignierten Zuschauens in ihrer Geschichte eine tragfähige Community Strategie. Viele Redaktoren sind ernüchtert und wundern sich, wie diese toxische Ghettoisierung unterhalb ihrer Artikel zustande kam.

Sie werden nun die Weichen stellen müssen und sich fragen: Welche Community passt zu unserer Medienmarke? Moderation kostet etwas, sowohl Knowhow als auch Technologien. Wie intelligent ein Kommentarsystem ausgestaltet ist, hat letzten Endes Einfluss auf unsere Motivation, uns an Diskussionen zu beteiligen.

Die Netzgemeinschaft befindet sich in einer Vor-Adoleszenzphase. Vielerorts sieht man jetzt die hässliche Seite eines ungehemmten, entfesselten digitalen Pöbels. Den meisten Nutzern scheint nicht klar zu sein, dass die rechtlichen Normen und die Regeln des Anstands nicht nur im persönlichen Gespräch und im öffentlichen Raum draussen, sondern auch im Web 2.0 gelten. Dass sich hinter einer virtuellen Identität ein realer Mensch verbirgt.

Nun fallen die ersten gerichtlichen Entscheidungen, es werden teilweise sogar Freiheitsstrafen ausgesprochen, wie ein Fall in Deutschland gezeigt hat. Auch müssen sich untätige Facebook-Manager vor Gericht verantworten, aktueller Vorwurf: Volksverhetzung. Durch Unterlassung.

Viele Polizeibehörden in Deutschland raten bei klar diskriminierenden Aussagen in jedem Fall zu einer Anzeige. Kommentare sollen mit Screenshots illustriert werden. Das verhängte Strafmass wird auf jeden Fall erzieherische und disziplinierende Wirkung haben. In fünf Jahren sind wir hoffentlich reifer und erwachsener unterwegs im Netz, die Online-Community reguliert sich womöglich selber.

Vielleicht bedarf es hierfür einiger Virtual Reality- Innovationen, so dass sich man sich von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt und vermehrt auch “spürt”. Denn das Netz ist zurzeit ein grosser abstrakter verschriftlicher Ort, wie es die Medienjournalistin Ingrid Brodnig am #JourTag2015 in ihrem Referat treffend formuliert: “Im Netz fehlen diese subtilen Formen der sozialen Sanktion, wenn einzelne sich im Ton vergreifen. Es fehlt der Augenkontakt des Gegenübers, wo man sofort erkennt, wenn man die andere Person gekränkt hat“,

 

 

 

 

 

Plattform-Journalismus: Pakt mit dem Feind oder Chance für die Medien?

Social Media werden immer mächtigere Player im aufmerksamkeitsökonomischen Wettbewerb der Medien. Die Strategien von Facebook, Twitter, Snapchat & Co. deuten eine schleichende Entwicklung an, die die Geschäftsmodelle der Medien mitprägen wird. Was wir derzeit beobachten, ist das Aufkommen des „Plattform-Journalismus“.

Ich hatte mich neulich auf zwei Referate zum Thema “Social Media im Newsroom” vorbereitet. Darin erläuterte ich die vielfältige Bedeutung von Facebook & Co für Journalistinnen und Journalisten. Sie dienen den Medien als Distributionskanal, als Trafficquellen, als Dialogplattform oder als Anknüpfungspunkte für eine vertiefte Recherche. Aber sie beeinflussen in Zukunft das journalistische Schaffen noch profunder, als wir es bisher kennen.

Technologieunternehmen im Silicon Valey diktieren uns die Spielregeln

Doch der Reihe nach: Social Media beinhalten erstens einen immensen Fundus an Daten für die redaktionelle Recherche, denn fast jeder Smartphonebesitzer ladet einmal Fotos von seiner unmittelbaren Umgebung auf seine Profile. Agenturen verlieren an Gatekeeper-Wert. “Es gibt immer jemanden, der noch näher am Geschehen dran ist” lautet das Credo der Social Media News-Agentur Storyful.

Facebook und Twitter substituieren zweitens immer mehr auch die Startseite von Newsportalen. Eine neuere Studie des Pew Research Center zeigt, dass 63 Prozent der befragen Personen (aus den USA)  Social Media als Tor für ihren Nachrichtenkonsum dient.

Soziale Medien sind drittens  Sprachrohr der Unternehmenskommunikation einer Medienmarke. Sie weisen  viertens naturgemäss auch eine Schnittstelle zum Marketing auf, da sich die kostenlosen Plattformen durch bezahlte Werbeanzeigen der Unternehmen finanzieren.

Bei der Recherche für den Vortrag und auch während der Diskussion mit den Teilnehmern des Kolloquiums wurde mir bewusst, wie sehr Social Media das Wesen des Journalismus derzeit verändern wird. Fast wöchentlich lesen wir von den Medienoffensiven der Tech-Unternehmen in Kalifornien. Die Online-Giganten möchten von den Like-Magneten, den Newsportalen, profitieren. Gleichzeitig begeben wir uns mit diesen neuartigen Händel in neue Abhängigkeiten. Wer am längeren Hebel sitzt, ist klar.

Social Media wirken bei Medienhäusern in unterschiedliche Bereiche hinein. Sie inspirieren die Redaktion, erhöhen die Zugriffszahl auf die Website, dienen zur Erschliessung neuer Käuferzielgruppen und beeinflussen zunehmend auch die Geschäftsmodelle.

Social Media wirken bei Medienhäusern in unterschiedliche Bereiche hinein. Sie inspirieren die Redaktion, erhöhen die Zugriffszahl auf die Website, dienen zur Erschliessung neuer ZIelgruppen und beeinflussen zunehmend auch die Geschäftsmodelle. Quelle: Eigene Illustration.

Nie wieder Facebook verlassen

Um diese These empirisch zu untermauern, trage ich etwas Anschauungsmaterial aus der jüngeren Vergangenheit zusammen: Das neue Facebook-Format Instant Articles brauche ich nicht näher zu erklären. Ziel von Zuckerberg ist es, die Verweildauer der Nutzer zu erhöhen, so dass diese den Medieninhalt komplett auf Facebook rezipieren.

Das Instant Articles- Format  von Facebook steht aktuell ausgewählten Medienpartnern zur Verfügung.

Das Instant Articles- Format von Facebook steht aktuell ausgewählten Medienpartnern zur Verfügung. Quelle: Instant Articles auf Facebook

Ob Facebook damit auf Nutzungsgewohnheiten der jüngsten Generation reagiert oder diese befördert, ist unerheblich. Der Faulheit wird damit Vorschub geleistet. “Der Klick ist tot” titelte jüngste ein Web-Magazin. Ob die Rechnung für die Medien dank der Beteiligung an Werbeeinnahmen – der gesamte Erlös Werbeanzeigen geht an die Publisher, wird kolportiert – aufgehen wird, wird sich zeigen.  Angeblich hätten Verlage auch Forderungen nach Bezahlmodellen vorgebracht. Meine Meinung dazu erläutere ich später.

Das grösste soziale Netzwerk aus Palo Alto will noch mehr, nämlich das zentrale Forum für den politischen Diskurs in den USA bieten : Am 6. August möchte Facebook in Zusammenarbeit mit Fox News die erste Debatte der Republikaner zu den Präsidentschaftswahlen online begleiten. Die von Facebook erhobenen Daten dienen dabei als Stimmungsbarometer.

Mittels Kooperationen zu Medien möchte auch ein anderer Anbieter relevanter werden: Der Streamingdienst Spotify erweitert sein Audio-Portfolio um Nachrichtenangebote und geht Partnerschaften mit Vice Media, BBC’s Top Gear, TED, GQ, Bayerischen Rundfunk ein.

Social Media als Arbeitgeber

Nebst gezieltem Justieren an den Algorithmen zugunsten von Medienreichweite und neuen Deals, fungieren Social Media neuerdings auch als Arbeitgeber für Journalisten. Bleiben wir gleich bei der #Election2016. Die populäre Messenger-App Snapchat stellen Medienschaffende für die Berichterstattung während des US-Wahlkampfs ein und bietet mit “Discover” verschiedenen Medienmarken wie CNN und Vice News eine Plattform. Die Partner produzieren und schneiden ihre Inhalte auf das Zielpublikum von Snapchat zu. Die Funktion scheint bei den Millennials anzukommen: “Discover” wird täglich 50 Millionen Mal besucht. Die Medienanbieter scheinen zufrieden zu sein,  auch wenn deren Inhalte innerhalb des Snapchat-Kosmos geteilt werden können.

Unter der Funktion "Discover" auf Snapchat bieten ausgewählte US-Medien eigens für den Messer produzierte Inhalte an.

Unter der Funktion “Discover” auf Snapchat bieten ausgewählte US-Medien eigens für den Messenger produzierte Inhalte an. Quelle: Discover auf Snapchat.

Apple präsentierte jüngst eine eigene Medieninnovation: Um die hauseigene App”News” zu bewirtschaften, arbeiten Journalisten als Kuratoren. Sie speisen handverlesene Inhalte von Publishern und Bloggern in die App. Auch hier ist das Ziel eine lang anhaltende benutzerfreundliche In-App-Experience zu bieten.

Das eher unpolitisch daherkommende Instagram heuert Journalisten für die Erstellung von hochwertigen Inhalten für die visuelle Plattformen an. Deren redaktionelle Arbeit dürfte– man ahnt es – insbesondere Marketing-Charakter haben und eher wenig journalistische Massstäbe erfüllen.

Und selbst die Business Netzwerke LinkedIn und XING möchten infolge einer neuen strategischen Ausrichtung ebenfalls Content-Anbieter mit thematischen Schwerpunkten Arbeitswelt, Karriere und Wirtschaft/Finanzen sein. Sie versorgen ihre Millionen von Mitgliedern täglich mit Themen-Newslettern und Artikelempfehlungen von reichweitenstarken Multiplikatoren.

Twitter: Endlich eine Fernbedienung für das tägliche TV-Grundrauschen

Twitter liebäugelte eine Weile mit der Akquisition der News-App Circa, der Deal kam am Schluss doch nicht zustande. Der Mikrobloggingdienst ist besonders beliebt bei Bloggern und Medienschaffenden und damit fast prädestiniert für eine künftige Ausrichtung als Medienunternehmen. Doch  aufgrund der Monetarisierungszwänge infolge der Börsenkotierung wurde die Medienverwertung bisher nur sekundär weiterverfolgt.

Die täglich 500 Millionen Tweets sorgen für ein lärmiges Dauer-Grundrauschen. Die Usability der Plattform verunmöglichten dem Nutzer eine Priorisierung der Themen zu erkennen. Der Produktchef Kevin Weil drückte es einst so aus: Twitter ist wie TV ohne Fernbedienung.

Nun wird Abhilfe geschaffen: Mit dem neuem Feature “Moments”  soll das zahlreiche Material händisch gewichtet und strukturiert werden. Dank einer optimierten Darstellung werden die Trending-Themen auch für Laien nachvollziehbar, für die der Nachrichtenstrom eher kryptisch daherkommt. Der Kurznachrichtenservice investiert damit endlich in den Aufbau redaktioneller Ressourcen.

Gescheiterte journalistische Avancen

Nicht alle Medienexperimente der Plattformbetreiber reüssieren. Die Blogplattform Tumblr stellte vor einem Jahr Medienschaffende ein, die vor einigen Wochen wieder entlassen worden sind. Und auch die Anonym-App Whispers  wuchs im redaktionellen Bereich, doch das gesamte Geschäftsmodell missglückte, die App wurde wieder eingestellt.

Auch ein anderes Netzwerk hat sich von der Idee des “Social-Qualitätsjournalismus” wieder verabschiedet. Es ist die Plattform des ehemaligen Twitter-Mitgründers Evan Williams: Medium.com. Künftig sollen weniger Long-Reads produziert werden, sondern die Interaktionen und das User-Engagement in den Vordergrund gerückt werden.

Plattform-Journalismus: Die Geschäftsmodelle der Medienhäuser werden womöglich verändert

Ob mit Content-Partnerschaften, Native Formaten, neuen Arbeitplätzen, viralen Wellen, die in Mediengeschichten münden: Die vielen Aspekte von Social Media für Journalismus bieten Spielraum für Experimente und bergen viele Risiken. Längst gelten die Tech-Riesen nicht nur als dominanter Trafficlieferant, sie greifen gängige Geschäftsmodelle an.

Deshalb nenne ich diese gegenwärtige Entwicklung “Plattform-Journalismus”, in Anlehnung an Sascha Lobos Begriff “Plattform-Kapitalismus“, mit der er die wachsende Sharing Economy kritisierte.  Speziell an dieser Form sind die fehlenden Eigentumsverhältnisse: Darunter sind Vermittlungsdienste zu verstehen, die private Wohnungen oder Beförderungsmittel anbieten, ohne nur eine Liegenschaft oder ein Vehikel effektiv zu besitzen.

Mittels eines algorithmusbasierten Matchingprinzips werden Angebot auf Nachfrage persönlich aufeinander abgestimmt, Dienstleistungen ohne menschliche Beratungsservices massgeschneidert.

Zu Tiefstpreisen für den Konsumenten, zugunsten von neuen (prekären) Arbeitsplätzen, für eine hohe Rentabilität der Plattformbetreiber, die lediglich die technologische Infrastruktur zur Verfügung stellen. Arbeitsplätze der traditionellen Branchen und bisheriger Monopole werden dadurch sukzessive wegrationalisiert.

Zwar entfaltet der Plattform-Journalismus nicht die gleiche disruptive Wirkung wie die Sharing Economy in den herausgeforderten Branchen. Doch alle Online-Ableger von Medienhäusern sind wohl oder übel angehalten, sich mit den digitalen Ökosystemen künftig auseinanderzusetzen.

Pakt mit dem Feind oder blühende Zukunft?

Was ich denn von diesen Medienkooperationen wie bei Instant Articles halten würde, wurde ich schon mehrfach gefragt. Ich kann darauf noch keine eindeutige Antwort geben. Natürlich misst es meinem Bereich einen wachsenden Stellenwert zu. Es sorgt dafür, dass sich publizistische Inhalte nahtlos in das Look&Feel der Umgebung einfügen, diese mobile und lesergerecht aufgearbeitet werden.

Auch werden Social Media nicht mehr zu Linkschleudern degradiert. Doch den Launen von Zuckerberg, Spiegel &Co unterworfen zu sein, deren primäre Motivation nicht der Qualitätsjournalismus sondern die Höhe Aktie an der Wall Street ist, hinterlässt auch bei Social Media Redakteuren ein mulmiges Gefühl.

Ob mit dem Fokus auf “Facebook-First” journalistische Kriterien  eingehalten werden oder ein verfälschender Bias zugunsten von oberflächlichen Good News die redaktionelle Entscheidungen verformen wird, werden wir wohl nach der ersten Auswertungsphase sehen. Aber man darf das Social Media-Publikum intellektuell nicht unterschätzen: Denn nicht nur Breaking News und härzige Katzengeschichten stossen auf grosses Echo. Meine Erfahrung bei der NZZ zeigen, dass anspruchsvolle Analysen und langen Reportagen rege geteilt kommentiert und auch gelesen werden.

Der Themenpuls-Rückblick der NZZ der letzten Woche: Beliebt sind tiefgründige Analysen, fundierte Meinungen oder Reportagen von Korrespondenten.

Der Themenpuls-Rückblick der NZZ der letzten Woche (20.7-27.7.2015): Beliebt sind tiefgründige Analysen, fundierte Meinungen oder Reportagen/Einschätzungen von Korrespondenten. Quelle: Themenpuls.ch

Gerade pointierte Meinungen und Standpunkte sind gefragt. Natürlich werden diese dank des selektierenden Algorithmus nochmals verstärkt durch die Newsfeeds geschleust. Denn Polarisierungen erzeugen Echo, gutes und negatives Feedback, es erregt die Gemüter.

Vielleicht lesen wir aufgrund der Ontologie von Social Media in Zukunft nur noch Lärm und extreme Thesen. Wünschenswerter wäre dass auch unaufgeregte Hintergrundgeschichten von Nutzern rezipiert und geschätzt werden. Ob auf der traditionellen Homepage oder durch Auslieferung beim blauen Riesen. Native Articles könnte für die Medien auch eine Chance bedeuten.

Update 3. August: Emily Bell hatte es treffend ausgedrückt: Media organisations can gain significant reach and revenue from using these platforms, but they’ll potentially lose big too — in terms of data, paths to users, archives, and control over journalism, she said.

https://www.newsrewired.com/2015/07/16/how-news-groups-should-harness-tech-in-the-service-of-good-journalism/

Update 3. August: Auch der Artikel-Kiosk Bendle stellt Journalisten an. Die – natürlich- Artikel kuratieren, die automatisierte Empfehlungsmaschinerie hat vorerst ausgedient: https://www.newsrewired.com/2015/07/16/how-news-groups-should-harness-tech-in-the-service-of-good-journalism/

Nach dem Jobwechsel: Wem gehört der Corporate Twitter-Account?

Eine gute Nachfolgeregelung ist nicht nur bei der Beerbung des Chefsessels gefragt. Nachhaltigkeit sollte auch bei der personellen Besetzung der digitalen Aussenkommunikation ein Thema sein. Gerade bei meinem aktuellen Stellenwechsel wird mir die Bedeutung einer “sauberen” Social Media-Accountsübergabe bewusst. Denn die Frage “Wem gehören Social Media Accounts” sorgte in der Vergangenheit für einigen Ärger. 

Wie ich schon angekündigt habe, werde ich im Juni eine neue Stelle antreten. Damit einhergehend endete auch meine Anstellung beim Technologieunternehmen Axon Active AG und die Verantwortung bei der Bespielung der jeweiligen Social Media Plattformen im Namen von Axon Active. Meinem künftigen Nachfolger habe ich ein kleines selbst erarbeitetes Manual und Skript mit To Do’s & Don’ts, Zielen, Massnahmen  hinterlassen. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie wichtig die Klärung einer weiteren Details ist: Die klare Übergabe der Administratorenrechte bei Firmenaccounts.

Social Media Manager geben dem Unternehmen auch ein “Gesicht”

In der digitalen Welt werden Unternehmensbrands oft  mit den repräsentierenden Persönlichkeiten assoziiert. Wechselt daher der betreffende Social Media Manager die Stelle, so sollte die Übergabe der Firmenaccounts akkurat geregelt werden. Vor allem nach einer Aufbauphase der Präsenzen. Denn in diesem sensiblen Zeitraum trägt der verantwortliche Digital Manager u.a. auch mit seinem Gesicht und  seinem Namen  massgebend zum Erfolg und zur “Gefolgschaft” des Unternehmensbrands bei. So dass bei einer Trennung vom Arbeitnehmenden bei ungenügender Absprache die Frage der Zugehörigkeit der jeweiligen Benutzeraccounts plötzlich virulent sein könnte.

Bei den “Aufräumarbeiten” meiner letzten Stelle wurde mir bewusst, wie immanent wichtig diese Frage der Nachfolgeregelung ist. Besitzt ein Unternehmen keinen verpflichtenden Social Media-Richtlinien für die gesamte Belegschaft, so müssen diese Regeln unbedingt bilateral zwischen Social Media Manager und Vorgesetzten (Führungsetage) ausgehandelt werden.

Die Bedeutung dieses Details lässt sich schön an der Nachfolge-Verwaltung der Google+- Unternehmensseite illustrieren. Um eine solche Seite aufzusetzen respektive betreiben zu können, setzt Google+ einen eigenen persönlichen Account voraus. Einen genuinen  Unternehmensaccount einzurichten, wird schwierig. Google+ akzeptiert nur Echtnamen und keine kryptischen “Unternehmens-Vornamen”.

Nur mithilfe eines persönlichen Benutzeraccounts kann eine Google+-Unternehmensseite eingerichtet werden. Es braucht also persönliche Administratoren für die Betreibung einer Unternehmensseite.

Nur mithilfe eines persönlichen Benutzeraccounts kann eine Google+-Unternehmensseite eingerichtet werden. Es braucht also persönliche Administratoren für die Betreibung einer Unternehmensseite.

Es ist gang und gäbe in grösseren Betrieben, dass mehrere Personen jene Unternehmensseite verwalten. In vielen sozialen Netzwerken  wie bei Google+ kann der “Ur-Administrator” beliebig viele neue Personen hinzufügen. Es wäre jedoch auch ein Leichtes, nach Abgang als alleiniger Community Manager jene Unternehmensseite umzubenennen und die generierten Fans und Followers gleich “mitzunehmen” (sollte das Unternehmen diesem Punkt keine Priorität einräumen und Social Media stiefmütterlich behandeln, was nicht wenig der Fall ist). Natürlich handelt man sich damit im Nachhinein jede Menge Ärger ein. Und natürlich empfehle ich Niemandem eine solche Aktion.

Bei PhoneDog Media vs. Noah Kravitz ging es um 17000  ”verlorene” Followers

Selbstverständlich war ich nicht die erste Person mit diesem Gedankenspiel.  In den USA setzte ein Mitarbeiter den verlockenden Gedanken in Realität um: Ein öffentlichkeitswirksamer Präzedenzfall gab es im Januar 2012 zwischen dem Unternehmen PhoneDog Media und dem Mitarbeiter Noah Kravitz, der nach Beendigung seiner Anstellung die 17000 Follower “mitnahm” und den Account entsprechend auf seinen Namen und natürlich das Passwort änderte.

twitter

Die Frage “Wem gehören Social Media Accounts?” im Fall Phone Dog vs Kravitz wurde auch von Advokaten im deutschsprachigen Raum verfolgt und erörtert. In Deutschland erschien basierend auf dem US-Gerichtsfall ein Artikel von Dr. Carsten Ulbricht zu diesem Thema. Und in der Schweiz setzte sich der Jurist Oliver Staffelbach mit der Frage des Social Media-Eigentums auseinander.

Besonders schwierig bei der rechtlichen Beurteilung war gemäss den beiden Experten der Umstand der untrennbaren Verknüpfung der Person und des Arbeitgebers im besagten Twitter-Namen “phonedog_noah”. Der besagte Social Media Manager hat unter dieser“Hybrid”-Bezeichnung auch persönliche Inhalte vertwittert, die nichts mit seinem Arbeitskontext zu tun haben, was die Klärung der “Social Media Ownership” zusätzlich erschwert hat. Somit muss bei der Beurteilung jeweils  die  gesamte “Gestaltung und Historie des Accounts” in Betracht gezogen werden.

Dr. Ulbricht bietet zur Klärung des Eigentums folgende Parameter, die Anhaltspunkte für eine rechtliche Beurteilung liefern können:

Wer hat den Account angemeldet ?

• Wie ist die Ausgestaltung (auch Nutzungsbedingungen) des jeweiligen Sozialen Netzwerkes ?

• Wer bezahlt etwaige Kosten des Accounts ?

• Wie ist der Accountname (z.B. Firmenname enthalten) ?

• Auf welche Email-Anschrift wurde der Account angemeldet?

• Wird der Account schwerpunktmässig privat oder geschäftlich genutzt ?

So oder so: Eine rechtliche Vereinbarung zwischen Unternehmen und Social Media Manager ist vonnöten

Wie ist  nun der Rechtsstreit ausgegangen? Gemäss Wikipedia gab es im Januar 2013 eine Einigung, die aber als vertraulich und nicht öffentlich gilt. Noah Kravitz twittert unter dem Namen @noahkravitz weiter und verfügt über 22000 Followers. Ich gehe davon aus, dass es sich um denselben Account handeln muss.

Wie sieht die Sachlage in der Schweiz aus? Claudia Keller, eine bekannte Social Media-Rechtsexpertin und Arbeitskollegin von Oliver Staffelbach sagte auf Anfrage, sie haben in ihrer Praxis Musterverträge aufgesetzt in Fällen, bei denen mit externen Dienstleistern gearbeitet worden sei. In der Schweiz gebe es zu diese Frage keine Gerichtspraxis, auf die man sich berufen könne.

Es gilt also vor Antritt eines neuen Arbeitnehmers im Bereich der Webkommunikation sauber die Eigentümerschaft der zu betreibenden Social Media Accounts zu klären und die Geschäftsbenutzersdaten (Name; Passwort) für alle verbindlich festzuhalten am Besten in Form eines Vertrags oder als Bestandteil eines Social Media Kodexes des Unternehmens. So erspart sich das Unternehmen grossen Ärger. Und der Social Media Manager wird von Anfang angehalten, Persönliches von Beruflichem zu trennen.

Ich plädiere ausserdem dafür, dass keine Unternehmensname Element eines persönlichen Social Media-Acccounts sein dürfe.  Diese Meinung teilen aber nicht alle Social Media-ExpertInnen. Aber ich zumindest werde mich davor hüten meinen Namen in NZZ_adfichter umzuwandeln.

Was ist eure Ansicht dazu?

 

 

 

Zu guter Letzt: Ein Brauch der Blogosphäre

Bevor ich neue Vorsätze für 2014 fasse, möchte ich noch paar Alte umsetzen.  Dank Marie-Christine Schindler weiss ich von solch interessanten Ritualen der Blogosphäre wie zum Beispiel der Blog-Parade und dem Blog-Stöckchen. Da ich dieses neulich von ihr auffangen durfte, schliesse ich wie in diesem Tweet versprochen mein Jahr mit diesem letzten Blogartikel ab.

Und ich bin so nett, einen Vorsatz für 10 weitere BloggerInnen bereits vorzuformulieren, indem ich  ihnen das Stöckchen gleich weiterreiche. Übers Mitmachen im nächsten Jahr würde ich mich freuen.

Dies waren also nun die Fragen von Marie-Christine an mich:

1. Welche fünf Keywords treffen auf dich zu?

Chaos, Prokrastination, impulsiv, Genuss, Politik

2. Wenn morgen das Internet abgestellt wird, dann bedeutet das für mich persönlich, …

… ein grosses Problem, da ich dann arbeitslos wäre. Die Konditionierung der letzten Jahre haben meinen Alltag ziemlich digitalisiert. Und ja mein Beruf definiert sich ja auch über das Internet (Social Media Kommunikation).

Ausserdem ertappe ich mich oft dabei, dass ich – wie ich neulich twitterte- in einem Printtext nach einem Wort suche und mir sehnlichst die Suchfunktion Ctrl+F herbeiwünsche…

Dies bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht selber schon bewusst öfters gewisse Zeitfenster offline setzte und dies nicht ausgiebig genossen habe. Meine Ferien im Ausland erlebe ich beispielsweise total internet-frei.

3. Dein Gegenüber rechnet dir vor, wie lange es noch bis zur Pensionierung dauert, damit es sich mit diesem Social-Media-Hype nicht mehr beschäftigen muss. Was sagst du?

Besser Du rechnest nach, wieviel Zeit Du mit der Ignoranz dieses Hypes verloren hast. Die sozialen Netzwerke werden irgendwann mal vorbeigehen, bzw. aufgehen in die alltägliche Kommunikationsstruktur, in der digital und analog mehr und mehr verwoben werden. Sich darauf einzulassen ist vielleicht eine Umstellung und erforderte eine andere Art der Verständigung, da man sich nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt. Aber am Ende lernt man so viele interessante Leute kennen, die man nicht zufällig an der nächsten Strassenecke getroffen hätte.

Update 28.12.2013 um 19:00: Social Media ist wie die direkte Begegnung zwischen zwei Menschen eine Frage der Haltung. Ist jemand offen für neue Personen, hört man ihnen zu und möchte einen Dialog auf gleicher Augenhöhe starten, so spielt es keine Rolle  durch welche Kanäle das geschieht. Ist also mein Gegenüber offen dafür im direkten Gespräch, so wäre es auch ein Leichtes für ihn dieses online fortzusetzen.

4. Wie bleibst du über das, was die Welt bewegt, auf dem Laufenden?

DIE Welt  oder das Weltgeschehen gibt es meiner Meinung nicht, sondern eher viele verschiedene disparate Themen-Öffentlichkeiten und für alle gibt es Fachblogs und Plattformen der digitalen Avantgarde und Meinungsführer. Ich versuche was Wirtschaft und Politik angeht, wenig News zu konsumieren, sondern eher die reflektierenden Geschichten zu lesen. Ich habe mir schon oft eine Newsdiät verordnet, auch wenn ich den Echtzeit-Charakter von News-Tickern und Live-Streams über alles liebe.

Ich lese mit Vorliebe gerne Spiegel Online, Zeit.de und auch den Tagi Online. Die meisten Titel lasse ich mir aber von meiner Twitter-Timeline servieren, beispielsweise durch den News-Män. Twitter ist für mich sowieso die personalisierte Zeitung, da Gleichgesinnte die von ihnen gelesenen Artikeln mit einer persönlichen Note anreichern. Erst dadurch wird der Artikel schmackhaft für mich.

Da mich auch Reflexionen rund um die Medienwelt interessieren, lese ich auch öfters mal die Medienwoche oder  den Blog Lousy Pennies.

Und dann gibt es noch einige amerikanische Blogs wie Politico und Tech President, in denen ich mich über politische Innovationen im Web und Insider-News in Washington informiere.

Was Entwicklungen in  Social Media und  allgemein in der IT-Wirtschaft angeht: Die “Klassiker” wie t3n, techCrunch, netzwertig.com, etc.

5. Welches ist das bisher beste Social Media Event, an dem du teilgenommen hast?

Der beste Event bis anhin war eigentlich “Data Storys” vom Centre of Storytelling letzten Herbst. Gerade weil Social Media nicht Hauptthema der Veranstaltung war, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Data Stories behandelt wurde. Das Thema wurde sehr vielseitig aus Marketing-, Journalismus-, Künstler- und Philosophie-Blickwinkeln betrachtet.

6. Wie findet ein Newbie Anschluss an die Schweizer Online-Szene?

Indem er seine Themen findet und einen Blog aufsetzt. Ich folge viele vielen unbekannten BloggerInnen, die aber vielversprechend schreiben und von denen man wahrscheinlich in Zukunft viel erwarten kann. Hinter Blogs stehe Persönlichkeiten, die subjektiv über ihre Meinungen und Ansichten schreiben. Gewinnt man bekannte Multiplikatoren als Blog-Abonnenten, erzielt man schnell eine grosse Reichweite.

Erst der Blog und dann die Social Media-Profile. Diese Reihenfolge würde ich empfehlen.

7. Welches sind deine drei Lieblings-Apps?

Flipboard, Twitter, Google Drive

8. Wir basteln uns ein Social-Media-Bullshit-Bingo. Welche fünf Begriffe dürfen auf keinen Fall fehlen?

Conversion-Rate, “Wir müssen jetzt auch Social Media”, Fav-en, Content is King…  Das sind jetzt so die spontanen Begriffe, für Weiteres müsste ich den SocialMedia-Sprech konsultieren.

Und nun ihr:

Nachdem ich nun meinen Beitrag “geleistet” habe, reiche ich das Blog-Stöckchen weiter an ein paar weitere ausgewählte BloggerInen, über die mich folgendes interessieren würde…

- Luzia Tschirky

- Roman Kappeler

- Alexander Sautter

- Olivia Kühni

- Nick Lüthi

- Andreas Kyriacou

- Carmen Epp

- Sofia Esteves

- Anna Jobin

- Thomas Gemperle

1. Hast Du den Offline-Day mitgemacht? Wenn Nein, weshalb nicht? Und wenn Ja, wie war es? 

2. Nenne bitte den Monat und das Jahr Deines allerersten Blogartikels und den Titel davon. 

3.  Welches App schaust Du morgens als Erstes an…?

4. Könntest Du Dir vorstellen eines Tages Dein Geld alleine im Netz zu verdienen?

5. In welchem Jahr, glaubst Du, wird der erste Schweizer Wahlkampf hauptsächlich “im Netz” gewonnen?

6. Ganz ehrlich: Hast Du irgendwas an Deinen digitalen Kommunikationsgepflogenheiten verändert, seit PRISM der NSA bekannt geworden ist (Mails-Verschlüsselung zum Beispiel)?

7. Bist Du auf “phubbing” reingefallen?

8. Was erklärst Du alteingesessenen kulturpessimistische Printjournalismus-Koriphäen wie Frank Schirrmacher die Chancen des Internets, wenn Du die Möglichkeit dazu hättest?

9. Du-zen oder Sie-zen im Blog? Was ist der Königsweg?

10. Ein attraktives neues Medienportal bietet Dir eine lukrative Redaktorenstelle an; Du müsstest lediglich hin und wieder ein paar Native Advertising-Texte von Unternehmen veredeln und redaktionell “anreichern”. Würdest Du annehmen?

11. Wie oft hast Du dieses Jahr “Breaking” getwittert?

Wenn ihr die Fragen beantwortet, könnt ihr euch 5-10 weitere fiese (oder eben nette) Fragen ausdenken und an Personen weiterreichen, von denen ihr schon immer mal zitiert werden wolltet…Aber keinen Zwang bitte.

Nochmals zum Prinzip, erklärt von Marie-Christine: ”Das Stöckchen besteht aus vorgegebenen Fragen und ohne Deadline. Jemand beantwortet diese Fragen in seinem Blog und wirft das Stöckchen am Ende an jemand anderen (oder an mehrere) weiter.”

In diesem Sinne: Ein blogreiches 2014 wünsche ich euch allen!

Kontrolliertes Twittern im Showbusiness. Das Beispiel „The Voice of Switzerland“

Morgen startet „The Voice of Switzerland“ im öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehen (SRF). Mit viel Trommelwirbel wurde das Showformat beworben, das von ausländischen Vorbildern (Deutschland, USA) adaptiert wurde. Das TV-Publikum erlebt in den sogenannten „Blind Auditions“ die Kandidatenselektion der besten Stimmen der Schweiz.

Live? Nein. Ausgestrahlt werden ab morgen sämtliche Shows , die bereits im Herbst und Winter  2012 aufgezeichnet worden sind.  Die 12 Kandidaten für die Finalsendungen stehen dabei seit geraumer Zeit schon fest.

Wie ist es daher möglich, dass bislang noch keine einzigen Informationen über die Endauswahl der Kandidaten „nach aussen“ gedrungen sind? Ist es für einen Produzenten wie das SRF nicht schwieriger geworden, die Kommunikationsaktivitäten seines Publikums  und seiner Singtalente im digitalen Echtzeitalter von Facebook, Twitter& Co zu kontrollieren? Diesem Phänomen bin ich nachgegangen und habe bei der Medienstelle des SRF nachgefragt.

Das Logo von "The Voice of Switzerland" auf der Seite des SRF.

Das Logo von “The Voice of Switzerland” auf der Website des SRF.

Wie schon bei manchen Pop- und Castingshows mit Publikumshintergrund wird dem Zuschauenden suggeriert, die Show fände gerade live statt. Dieser Eindruck wird mit der neu eingesetzten Interaktivität während der Shows gar verstärkt: Social Media-Kanäle werden in die Sendung integriert und abgesetzte Tweets/Facebook-Posts im Minutentakt in den Monitor hineingespielt.

Verschwiegenheit im digitalen Echtzeitalter

Doch es ist kein Geheimnis: Solche aufwändigen Showformate müssen zeitlich vor der Ausstrahlung produziert werden. Der Zuschauer zuhause wird erst in der Phase des Publikumsvotings Teil des Live-Momentums.  Was den Anschein nach spontanen Kommunikationsbedürfnissen und Gefühlsbekundungen aufgrund der eingeblendeten Social Media-Zuschriften erweckt, ist in Wirklichkeit redaktionell selektioniert und bearbeitet.  Diese Mechanismen sind „Part of the Show“ und damit auch der ausgeklügelten Kommunikationspolicy der Showmacher.

Um meine Vermutungen zu überprüfen, schickte ich dem SRF folgende Fragen via Email:

1. Wie stellen Sie sicher, dass die Kandidaten und das Publikum während der Show nichts nach aussen kommunizieren (ergo: Kein Twitter, Facebook etc. nutzen für ihre Live-Dokumentation) während den Aufzeichnungen?

2. Wie ist die Kommunikations-Policy während der Ausstrahlung der Sendung: Welche Informationen/Inhalte dürfen das Publikum und die Kandidaten kommunizieren? 

Der Mediensprecher des SRF, Marco Meroni, antwortete mir glücklicherweise sehr schnell auf meine Fragen:

„In der Tat ist es so, dass das Publikum sowie die Teilnehmenden sich bereit erklärten, im Vorfeld nichts über die Auftritte bekannt zu geben. Dies deshalb, um die Dramaturgie und Spannung der Sendung aufrecht zu erhalten. Die Coaches wussten ja schliesslich auch nicht, wer da singt. Während der Ausstrahlung von «The Voice of Switzerland» dürfen sich die Talente aber zu allem äussern, nur dürfen sie nicht verraten, welche Entscheidungen in den anstehenden Sendungen getroffen werden – also wer beispielsweise den Halbfinaleinzug schafft und wer nicht. Das gilt bei Interviews mit Medien genauso wie für Twitter, Facebook etc.“

Auf meine Nachfrage, wie diese Kommunikations-Policy durchgesetzt werde und ob mit einem umfassenden Monitoring-System die Äusserungen der Kandidaten im Web beobachtet werden, erhielt ich leider bislang noch keine Antwort. Ein paar Stunden vor dem Start auch weniger verwunderlich (die Medienstellen werden sicherlich überhäuft mit Anfragen).

Doch die bisherige Antwort bestätigt, was ich vermutete. Die Kandidaten dürfen zwar ihre Social Media-Kanäle während der Aufzeichnung und Ausstrahlung nutzen, doch dabei nur bestimmte Inhalte verbreiten. Denn nur so kann logischerweise die “Dramaturgie und Spannung der Sendung” aufrechterhalten werden.

Was passiert bei versehentlich rausposaunten Insider-Informationen im Affekt?

Eine rigide Abschottung der Kandidaten während den Aufzeichnungen findet trotz vertraglichen Verpflichtungen glücklicherweise nicht statt.  Somit wird ihnen genügend Spielraum gewährt, um mit ihren Fans und Followern direkt zu kommunizieren.

Interessanterweise erwähnte der Mediensprecher die „Medien“ und „Twitter“, „Facebook“ in einem Satz. Das gleichzeitige Aufzählen kann als Gleichwertigkeit zweier verschiedener Kommunikationswege interpretiert werden. Solch ein umfassendes Medienverständnis ist einerseits lobenswert. Andererseits weiss ich nicht, ob man sich auch der Schnelligkeit der Web-Community bei zufällig „entgleiteten“ Insider-Informationen (die jemand im Affekt oder aus Euphorie preisgibt) auf Social Media-Kanälen wirklich bewusst ist.

Wie schnell interveniert das Medienteam von “The Voice of Switzerland” beispielsweise bei einem Tweet eines Kandidaten,  der “Auftritt sei vermasselt, doch er habe es glücklicherweise trotzdem in die Live-Shows geschafft“. Und das zum Zeitpunkt während seine Gesangsleistung gerade von der Jury kritisch beurteilt wird. Viel interessanter auch: Wie wird das Kommunikationsverhalten des Publikums im Auge behalten?

Inwiefern diese Richtlinien durchgesetzt werden und wie die Kontrolle aller Showteilnehmer bewerkstelligt wird, ist noch unbeantwortet  Vielleicht kommt von Seiten des SRF doch noch eine Stellungnahme zu diesem Punkt. Und bis dahin schaue ich mir gerne mal die Sendungen von „The Voice of Switzerland“ an, auch wenn sie nicht live sind ;-)

Über die blöden sozialen Medien: Ein offener Brief an Herrn Strittmatter

Lieber Herr Strittmatter

Ich lese seit geraumer Zeit die Handelszeitung und habe mir neulich das Interview mit Ihnen zu Gemüte geführt. Leitthema des Interviews war die Frage, weshalb die Bindungen zwischen Auftraggeber und (Werbe-)Agenturen in den letzten Jahren fluktuativer geworden sind. Und wie sich der verschärfte Wettbewerb auf die Anbieter auswirkt.

Auf die Frage Ihres Interviewpartners, ob Sie für Ihre Kunden auch den Einsatz von Social Media anbieten, antworteten Sie unverfroren: „Wir setzen da externe Spezialisten ein, die nichts dagegen haben, für solche Sachen blöd genug zu sein”

Mal abgesehen von ihren offensiven Beleidigung Ihrer Partner, die sich offenbar gerne „intellektell unterfordern” lassen, eine kleine Stellungnahme von Jemandem aus der betroffenen blöden Social Media-Gilde (da vermutlich wenig LeserInnen der Handelszeitung in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, ist es wohl die Erste dieser Art):

Ich selber arbeite nicht in der Werbebranche und auch Ihr Name war mir vorher unbekannt. Ihre provokative Aussage hat jedoch mein Interesse für Ihre Person geweckt. Denn selten habe ich eine so herablassende Äusserung über die professionelle Nutzung von Social Media in der Medienöffentlichkeit gehört. Die meisten exponierten Personen in der Politik-, Wirtschafts- und Medienwelt, die mit sozialen Netzwerken nichts anzufangen wissen, halten sich eher vornehm zurück. Und begründen Ihre negative Einstellung mit ihrem Alter, ihrer Überforderung oder anderen (Lern-) Resistenzen gegenüber Web-Plattformen. Sie hingegen schienen Ihrem Urteil keine Erklärung beifügen zu wollen (vielleicht wurde eine allfällige Begründung auch aus Platzspargründen entfernt, was ich dann natürlich der Redaktion und nicht Ihnen anlasten würde).

Ich habe mir daraufhin von verschiedenen Seiten sagen lassen (u.a. auch von informierten vermeintlich „blöden“ Berufskollegen Ihrer Branche via Twitter), Sie gehörten in früheren Jahren zu den Granden der Werbebranche und führen eine renommierte Werbeagentur (die GGK) mit prestigeträchtigen Kunden.  Ihr Stern sei jedoch nach Meinung von Kennern verglüht und diese Aussage demonstriere einmal mehr ihre Frustration über diesen Wandel, der sich auch in der Werbebranche vollzogen habe. Den Sie offensichtlich nicht mittragen möchten. (Auch diese Diskussion führte ich übrigens auf dem „blöden“ Twitter)

Mich würde interessieren: Woher stammt nur diese abwertende Haltung gegenüber sozialen Medien und ihren Nutzern, denen Sie offensichtlich einen niedrigen Intelligenzquotienten zuschreiben?

Offensichtlich erachten Sie die Verpackung Ihrer Inhalte im Rahmen von 140 Zeichen als Trivialisierung der Werbekunst. Sind denn klassische Werbeslogans denn nicht meist noch kürzer formuliert? Appellieren denn Beiträge, Tweets und Postings auf Facebook, Twitter und Co. in denen zur Mitwirkung und Engagement aufgefordert wird, nicht mehr an den Verstand? Sind involvierende Fragen nicht anregender, spannender für den Konsumenten? Erhöht sich die Identifikation mit einer gewissen Marke nicht gerade dadurch?

Erfordert das Konzipieren und Produzieren klassischer Werbemittel tatsächlich mehr Intelligenz? Zeichnen sich passivere Rezipienten Ihrer Werbebotschaften tatsächlich durch höheres Niveau in ihrem Konsumverhalten aus?

Scheinbar – und nun stelle ich einige Vermutungen an, die ich aber bei anderem Sachverhalt gerne bereit bin, zu revidieren- sind Sie nicht sonderlich interessiert an den Reaktionen der angesprochenen Zielgruppen. Und bevorzugen die etablierte Einwegkommunikationsschiene. Sie verhöhnen als “enfant terrible”  der Schweizer Werbeszene somit lieber die Dialogmedien und deren Knowhow-Träger mit plumpen Worten. Wahrscheinlich weil neue Agenturen, die sich in den letzen Jahren auf digitale Werbekampagnen spezialisierten, Sie vom Spitzenplatz des Werbeolymps verdrängt haben. Das ist bedauernswert.

Natürlich, Sie brauchen sich auch nicht Feuer und Flamme für den Einsatz von Social Media zu begeistern. Schweigen darüber oder ein diskreter Verweis auf die Auslagerung des “Online-Zeugs” an Ihre Partneragenturen hätten es auch schon getan. Mit dieser Bemerkung haben Sie sich meiner Ansicht nach aber als Werbeprofi disqualifiziert. Sie bestätigen damit viel mehr das Bild des typischen selbstgefälligen Werbers. Ich hoffe, die Redakteure der Handelszeitung erweitern ihr Expertennetzwerk um einige offenere Branchenkenner, mit ganzheitlicherem Blick für Werbe- und Marketingmethoden. Denn nur eine solche Konsequenz würde die jüngste Berichterstattung über die Phänomene rund um soziale Medien und deren Bedeutung für die Wirtschaftswelt, denen sich die Redaktion mit grosser Offenheit und Neugier widmete, glaubwürdig erscheinen lassen.

Als Letztes möchte ich noch eine abschliessende Bemerkung als Konsumentin und potenzielle Kundin Ihrer Auftraggeber machen: Früher habe ich oft bei Werbespots oder Bannerwerbung weggeschaut, geklickt oder –geschaltet. Und wenn das Werbefenster stets zeitlich begrenzt war, dann halt einfach über mich “ergehen” lassen. Nun habe ich die Möglichkeit meine Meinung zur Kampagne kundzutun und den Unternehmen in einem einfachen Kommentarfeld mitzuteilen, wie clever, intelligent, witzig ich die jeweilige Werbeidee und –umsetzung empfinde. Schon alleine aufgrund des Muts, sich den kritischen Meinungen der Weböffentlichkeit zu stellen, würde ich aber auf die Verwendung des Adjektivs „blöd“ tunlichst verzichten. Die Web-Netiquette in Social Media hat nämlich eine disziplinierende Wirkung unter den Web-Nutzern. Gerade Kraftausdrücke gelten in der Online-Community oft als verpönt.

Über eine Antwort oder mehrere Antworten (zugegeben, ich habe auch viele Fragen gestellt) von Ihnen würden ich und bestimmt auch viele andere “blöde” Social Web-NutzerInnen sich freuen. 

Mit freundlichen Grüssen.

Adrienne Fichter

 PS: Auf Ihrer Website wurden Sie in Ihrem Porträt als “Pionier und Bewahrer” umschrieben: Ich hoffe, der Pioniergeist wird wieder aufflammen und gegenüber dem zweiten Element überwiegen.  Denn ich glaube Konservatismus macht sich nicht so gut in Ihrer Branche.

 

 

Google+: Meine Läuterung

Zu Beginn des Somexcloud-Lehrgangs habe ich hier in einem Blogpost über das soziale Netzwerk Google+ gelästert, bzw. über dessen Alleinstellungmerkmal gerätselt und um Erleuchtung gebeten.  Nun 10 Wochen, etliche Kommentare auf meinen Blogpost und ein Modul später, korrigiere ich einige meiner Vorwürfe und habe meine Meinung in weiten Teilen geändert. Mehr noch: Ich beginne mich allmählich zu einer begeisterten Anhängerin zu entwickeln.  Morgens logge ich in einem Zug in alle 3  Netzwerke ein, was ein Zeichen dafür ist dass sich Google + gegenüber Facebook und Twitter  als ein gleichwertiges Netzwerk emanzipiert hat. Und ich erwische mich mittlerweile dabei, wie ich mehrmals täglich auch meine Startseite aktualisiere.

Was mich zu meinem Sinneswandel bewogen hat? Nach einer beruflich bedingten vertieften Auseinandersetzung und einigen Inputs von Reto Stuber gibt es einige Punkte, die mir Google+ nicht nur sympathisch gemacht, sondern mir auch eine neue Art von „Social Media“-Erfahrung offenbart haben:

-          Themen: Ganz klar besticht der thematische Ansatz. Einerseits durch die Ansprache eines gezielten Zielpublikums, die ich in meinen „Circles“ sortiert habe. Andererseits  kann ich in der Suchfunktion bei einem Thema nach Profilen und Seiten suchen, sowie auch nach Postings und anderen relevante Websiten „aus dem Web“, die Google indexiert hat. Dadurch erhalte ich zu einem konkreten Stichwort einen Überblick, wer sich dazu engagiert, was darüber geredet wird und welche weitere interessante Quellen im Netz zu finden sind. Das Stöbern durch die Treffer hat Unterhaltungswert. Diese Kombination aus klassischen Suchmaschineresultaten und gut sozial vernetzen Multiplikatoren, die passende Inhalte empfehlen, hebt die ganze Vernetzung auf ein neues, qualitativ höheres Niveau als bei Facebook und Twitter.

-          Interaktionen: Auch trifft man mittlerweile nicht mehr nur Social Media- Geeks der ersten Stunde, die sich über neue SEO-Massnahmen ereifern und stolpert weniger über „tote Profile“, deren Nutzer sich dem Hype vor einem Jahr beugten und widerwillig ein Profil erstellten. Allmählich trennt sich die Spreu vom Weizen und ich stosse immer mehr auf aktive Nutzer, die länger als 2 Minuten auf Google+ verweilen. Ausserdem erlebte ich bereits einige interessante Dialoge mit neuen (mir noch unbekannten) Kontakten, die im Rahmen von 140 Zeichen gar nicht möglich gewesen wären.

-          Suchmaschine: Die prophezeiten positiven Effekte auf das Google-Ranking habe ich durch viele Selbstversuche erlebt: Auf der ersten Seite der Suchtreffer wird die Integration des Netzwerks in die Suchmaschine immer relevanter. Und die Bedeutung als übergreifender integrativer Klebstoff für alle Google-Dienste (Mail, Maps, Docs) nimmt zu.

-          Vollständigkeit: Es gibt, im Gegensatz zu Facebook,  keinen –entschuldigt- verdammten Edge Rank, der mir meinen Newsstream vorfiltert und entscheidet, was mich interessieren könnte. Ich sehe alle Beiträge meiner Kreiskontakte und kann dann selber entscheiden, wen ich bei „Übermüllung“ wieder aussortiere.

-          Ästhetische Finessen: Visuell und technisch ist das Netzwerk top. Die Beiträge können nach Veröffentlichung wieder bearbeitet werden, Bilder und speziell Fotos wirken in einem Post besonders gross und eindrucksvoll.

Nach dem Loblied nun aber auch ein gewichtiger Kritikpunkt: Oftmals wird in der Blogosphäre davon geschwärmt, Google+ werde im Gegensatz zu Facebook DAS B2B-Netzwerk und unverzichtbar für jedes Unternehmen.  Nun: Sollte das wirklich das Ziel sein, macht es uns Google aber nicht gerade leicht: Eine aktive Vernetzung „als“ Unternehmensseite ist nicht möglich. Die Kreise können erst gefüllt werden, nachdem jemand anderes meine Unternehmensseite zu seinen Kontakten hinzugefügt hat. Klar könnte man den share und +1-Button in die eigene Website einbauen, um seine Positionierung bei der Suchmaschine zu optimieren. Aber mit einer Google+-Seite fühlt man (noch) sich irgendwie auf einer Party mit Redeverbot. Und dementsprechend alleine. Obwohl rundherum Plauderstimmung herrscht.

Welche Tipps kann ich dem einen oder anderen Google+-Muffel (den ich bis vor Kurzem selber war) unter euch mitgeben, um dieses neuartige und begeisternde „Google+-Erlebnis“ mit mir zu teilen?

Klar ist: Passives Abwarten auf das grosse “Wow”-Feeling bringt nichts. Bringt euch aktiv in die Dialoge einbringen, kommentiert und teilt Links, die ihr mögt. Die Resonanz und das Echo auf eure Interaktionen werden in Zukunft bestimmt zuzunehmen. Nicht zuletzt wegen der erstarkten Gegenbewegung vieler Google+-User auf die unsäglichen Unkenrufe digitaler Opinion Leaders, die die in Blogs und Foren Google+ bereits für tot erklärt haben