Wie eine griechische Insel der Krise und dem Massentourismus trotzt…

Hier ein kleiner Blogartikel von mir der anderen Sorte…Politisch nur sehr im entfernten Sinn. Schliesslich ist ja Sommer. Und ich war eine Woche in Griechenland im Urlaub. In der vielgerühmten Wiege unseres Abendlandes. Nun hängt das Land am finanziellen Tropf der EU. Die EU- ein Gebilde, welches zumindest auf dem Papier (in den EU-Verträgen) wiederum nach den demokratischen Idealen strebt, die in der griechischen Antike geboren wurden. Isn’t it ironic…?

(Die hehren demokratischen Zielsetzungen werden vermutlich aufgrund der aktuellen Entwicklungen wohl an Priorität einbüssen. Gut möglich, lobbyieren die finanzkräftigen Mitgliedsländer EU-intern für eine Kursänderung in Richtung konsistente Wirtschaftsunion, die keine schwächelnde Volkswirtschaften als Beitrittskandidaten mehr toleriert. Doch das nur am Rande bemerkt).

 In diesem Beitrag skizziere ich ein kleines Stimmungsbild einer griechischen Insel, Kefalonia,  über die man in unseren Breitengraden zu Unrecht zu wenig weiss… 

Den armen Hellenen wurde in den vergangenen Monaten schon x-mal der Staatsbankrott prophezeit und Ramschstatus in Sachen Kreditwürdigkeit attestiert. Vor paar Wochen wusste ich nicht mal, in welcher Währung ich auf dieser Insel meine Alltagsgeschäfte bezahlen werde. Die Panikstimmung wurden durch den wiederholten Wahlgang und der geglückten Regierungsbildung Mitte Juni zumindest vorübergehend etwas eingedämmt.  Die steigende Arbeitslosigkeit und Kriminalität scheint den Zeitungsberichten nach der Bevölkerung schwer zu schaffen zu machen.

Ob ich davon etwas gespürt habe? Nein. Klar, Ferieninseln sind als kleine Kokons immer etwas abgeschottet von den Zuständen auf dem Festland. Auch wenn dieses zentralistisch alle Gebiete verwaltet und insbesondere politische Geschicke lenkt.  Sie stellen beliebte Destinationen von Touristen aus aller Welt dar. Und sind vor allem in der Hochsaison wohl etwas resistenter gegenüber der anhaltenden Rezession im Land.

Was ich aber beobachtet habe: Krise hin oder her, die griechischen Insulaner der grössten Ionischen Insel erlagen auch in Zeiten der Hochkonjunktur nicht den finanziellen Verlockungen des Club- und Billigtourismus. Auf der ganzen Insel gibt es kaum hässliche Hotelkomplexe und Betonblöcke zu sehen. Die Kefalonier achten seit jeher auf einen einheitlichen Architekturstil in ihren Dörfern, saubere weisse Strände, kristallblaues Wasser und betreiben Bio-Fischzucht (ein wichtiger Wirtschaftspfeiler der Insel). Genau diese Besonderheiten und Traditionen schätzen die Gäste dieser Insel, die auch zu einem grossen Teil von Griechenland selber stammen.

Doch Kefalonia bietet überdies noch mehr: Sehr viel Grün, vielfältige Flora&Fauna (Zypressenbäume, Olivenhaine, Tannen und Aloe Vera-Pflanzen), Tropfsteinhöhlen. buchtenreiche Küsten und einen 1600 Meter hohen Berg. Dazu viele kleine romantische Dörfer mit eigenem Charakter. Die genau der (symphathische) Grund dafür sind, weshalb der grosse Massentourismus auf der Insel ausbleibt. Wikipedia schreibt dazu: “Restriktionen im Bau und das Verbot großer Anlagen sowie das Fehlen eines zentralen Hauptortes machen die Insel gerade für den großen Massenmarkt wenig lukrativ”

Ein unbekanntes Juwel also? Ich lasse dies den Leser entscheiden und die lose kleine Bildersammlung für sich selber sprechen. Alleine um etwas Ferienstimmung in diesem miesen schweizerischen Regensommer zu versprühen;-)

Wie man der Qualität entnehmen kann, handelt es sich um einfach Handy-Uploads. Die Bilder sind etwas milchig ausgefallen, was aber vielleicht auch an der flirrenden Hitzeluft (37 Grad) gelegen ist…

5 Gedanken zu „Wie eine griechische Insel der Krise und dem Massentourismus trotzt…“

  1. Vielleicht war es eine andere Insel? Meine Familie kommt aus Kefalonia und die Krise ist dort sehr wohl angekommen. Haben Sie die grünen Holzkisten an den Kassen der Supermärkte gesehen? Dort werden Lebensmittelspenden für die einheimische Bevölkerung gesammelt. Allein in Argostoli gibt es 200 Familien ohne Einkommen oder staatliche Alimentierung. Die Kartoffeln werden per Sammelbestellung vom Festland beschafft. Das Olivenöl des letzten Jahres fand keine Abnehmer mehr und die Konservenfabrik in Kilini wurde geschlossen. Seitdem hat niemand mehr einen Grund mehr Tomaten anzubauen, als er privat verbrauchen würde. Auch fehlt in Ihrer Hochglanzbroschüre, dass sowohl die Tagelöhner (meist Albaner) als auch die einheimischen Handwerker kaum noch (bezahlte) Aufträge haben.
    Wie in der Schweiz auch, wird die eigene Armut vor der Öffentlichkeit so gut wie möglich verborgen.

    1. Vielen Dank, Andreas, für diesen Kommentar. Es freut mich, dass ein “Local” auch meinen Blog liest ;-) Natürlich habe ich keine Ahnung von den “wahren” Zuständen der lokalen Bevölkerung (und “Hochglanz” ist angesichts der schlechten Qualität meiner Fotos etwas übertrieben”;-)). Ich wollte damit eigentlich nur aufzeigen, wie sich eine Insel eines krisengebeutelten Landes durch dieses Stadium durchschlägt. Und dies aus Sicht einer Touristin schildern. Bzw. wie die Bewohner und Industrie trotz wenig Aufträgen und weniger Tourismus Sorge zur Insel tragen. Was -so vermute ich und wurde mir auch gesagt- in vielen kulturellen und architektonischen Eigenheiten begründet ist. Vielen Dank also für Deine Gegendarstellung, die Details aufzeigt, welche mir verborgen geblieben sind.

      1. Hallo Adrienne, vielen Dank für die Freischaltung meiner (etwas ruppigen) Kommentare und für Dein Engagement um ein anderes Bild über die Menschen dort. Ich muss gestehen, ich bin eigentlich eher per “google+Zufall” auf Ihr Blog aufmerksam geworden, da ich regelmässig nach Nachrichten, abseits der mainstream media, aus Griechenland suche.. ;)
        Eine noch stärkere Bindung an die eigene Kultur des vergangenen Jahrhunderts (Literatur, Musik) ist festzustellen, Bei einem Konzert des Chors in Lixourion wurden Teile des “Axion esti” von Theodorakis unter grossen Beifall aufgeführt. Viele griechische Intellektuelle beziehen sich mehr auf diese Wurzeln, der “Kultur der Armut” (Markaris: “Finstere Zeiten”). Insofern muss ich Ihnen zustimmen.
        Der Zusammenhalt in der Familie und im Dorf ist grösser geworden. Es wird sehr genau wahr genommen, wem es nicht gut geht und wer hilft, wer den Einheimischen Wertschätzung entgegen bringt und wer nur die dummen Stammtischparolen der “Nordeuropäer” nachplappern kann.
        Obwohl Griechen (normalerweise) viel zu höflich sind, um Fremde mit den eigenen Problemem zu belasten, kommt man in Häuser, wo die höfliche Frage nach dem Befinden die Dame des Hauses in Tränen ausbrechen lässt. Die Menschen sind müde geworden und sie sehen vor allem kein Licht mehr am Ende des Tunnels.

  2. Vielen Dank auch für die zusätzlichen erhellenden Informationen, die die Situation vor Ort für alle Leser des Blogs nachvollziehbarer macht. Ich werde bei meinem nächsten Besuch (den ich sicher bald tätigen werde) bestimmt auch mehr das Gespräch mit den Leuten suchen…

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